Die Frage, ob sich eine Holding-Struktur für eine Arztpraxis lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein strukturierter Vergleich der Modelle hilft dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.
Modell 1: Freiberuflicher Einzelarzt
Das klassische Modell ohne juristische Unternehmensstruktur: Der Arzt ist Einzelunternehmer, haftet persönlich und zahlt Einkommensteuer auf alle Gewinne. Vorteile sind die Einfachheit und niedrige Verwaltungskosten. Nachteile sind die volle persönliche Haftung und die fehlende Möglichkeit, Gewinne steuergünstig zurückzuhalten.
Modell 2: Praxis-GmbH ohne Holding
Eine Praxis-GmbH begrenzt die persönliche Haftung auf das Gesellschaftsvermögen und zahlt Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer auf Gewinne. Dividendenausschüttungen an den Arzt als Privatperson unterliegen der Abgeltungssteuer. Dieses Modell ist für mittlere Praxen mit Kapitalanlagebedarf bereits vorteilhafter als das Einzelunternehmen.
Modell 3: Holding über Praxis-GmbH
Die Holding hält alle Anteile der Praxis-GmbH. Gewinne, die von der Praxis-GmbH an die Holding ausgeschüttet werden, sind auf Holdingeben weitgehend steuerfrei. Erst bei Ausschüttung an den Arzt als Privatperson fällt volle Steuer an. Das ermöglicht eine Kapitalakkumulation auf Holdingeben, die für Reinvestitionen genutzt werden kann. Vorteilhaft für Ärzte mit hohen Praxisgewinnen und Kapitalanlagebedarf.
Kostenvergleich
Eine Holding-Struktur verursacht laufende Kosten: zwei Jahresabschlüsse, doppelte Buchführungskosten, rechtliche Beratung und Verwaltungsaufwand. Diese Kosten sind sinnvoll ab einem jährlichen Praxisgewinn von grob 200.000 bis 300.000 Euro, darunter überwiegen oft die Kosten. Die genaue Schwelle hängt vom Einzelfall ab.
2026: Aktuelle steuerliche Rahmenbedingungen
Die steuerlichen Regelungen für Holding-Strukturen bleiben 2026 im Wesentlichen stabil. Die Körperschaftsteuer beträgt weiterhin 15 Prozent, Gewerbesteuer variiert nach Gemeinde. Die Schachtelbefreiung nach §8b KStG bleibt erhalten. Ärzte sollten Änderungen im Steuerrecht jedoch kontinuierlich beobachten.
Fazit
Der Vergleich zeigt: Für Ärzte mit hohen Gewinnen und Kapitalanlagestrategie ist die Holding die steuerlich effizienteste Lösung. Für kleinere Praxen überwiegen oft Kosten und Komplexität. Ärzteversichert empfiehlt eine individuelle Analyse in Zusammenarbeit mit einem Steuerexperten für Heilberufe.
Quellen:
- Bundesfinanzministerium: Unternehmensbesteuerung
- Gesetze im Internet: GmbHG
- Institut der Wirtschaftsprüfer: Jahresabschluss
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