Ein Behandlungsfehler-Vorwurf trifft Ärzte in der Regel unvermittelt und kann erhebliche rechtliche, finanzielle und emotionale Folgen haben. Die ersten Stunden und Tage nach einem solchen Vorwurf sind entscheidend für den weiteren Verlauf. Wer strukturiert vorgeht, schützt sich selbst, sein Team und seine Praxis wirksam. Diese Checkliste gibt Ihnen Orientierung für das richtige Vorgehen.

Die Checkliste

  1. Ruhe bewahren und zuhören: Nehmen Sie den Vorwurf ernst, hören Sie aufmerksam zu und vermeiden Sie spontane Schuldeingeständnisse oder Entschuldigungen mit Haftungscharakter.
  2. Dokumentation sofort sichern: Stellen Sie die gesamte Patientenakte, Befunde, OP-Berichte und Korrespondenz sicher; nichts verändern, nichts löschen.
  3. Haftpflichtversicherung unverzüglich informieren: Melden Sie den Vorwurf sofort Ihrer Berufshaftpflichtversicherung; verspätete Meldungen können den Versicherungsschutz gefährden.
  4. Kammer oder KV informieren: Je nach Situation und Schwere des Vorwurfs kann eine frühzeitige Information der Ärztekammer sinnvoll und in bestimmten Fällen verpflichtend sein.
  5. Keinen direkten Kontakt ohne anwaltliche Begleitung: Führen Sie keine inhaltlichen Gespräche mit dem Patienten oder dessen Anwalt, bevor Ihre Haftpflichtversicherung oder ein eigener Fachanwalt eingeschaltet ist.
  6. Sachverhaltsdarstellung intern verfassen: Schreiben Sie Ihre eigene Schilderung des Behandlungsverlaufs auf; halten Sie dabei Daten, Uhrzeiten und Entscheidungsgründe fest.
  7. Zeugen benennen: Notieren Sie, welche Mitarbeiter oder Kollegen bei der Behandlung anwesend waren und als Zeugen in Frage kommen.
  8. Gutachterstelle oder Schlichtungsausschuss prüfen: Bei außergerichtlicher Einigung kann ein Verfahren vor der Gutachterstelle der Ärztekammer Zeit und Kosten sparen.
  9. Kommunikation mit Angehörigen klären: Legen Sie fest, wer in der Praxis Auskunft gibt; konsistente und einfühlsame Kommunikation reduziert Eskalation.
  10. Eigene psychische Stabilität sichern: Ziehen Sie bei Bedarf Unterstützung durch Kollegen, Supervision oder die Hilfsstelle für Ärzte in Ihrer Kammer in Anspruch.
  11. Verjährungsfristen im Blick behalten: Die regelmäßige Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche beträgt drei Jahre; notieren Sie das Datum des Vorwurfs.
  12. Lessons Learned dokumentieren: Nach Abschluss des Verfahrens: Analysieren Sie den Fall und prüfen Sie, ob Prozessverbesserungen sinnvoll sind.

Typische Fehler

  • Spontane Entschuldigung mit Haftungscharakter: Eine gut gemeinte Entschuldigung kann juristisch als Schuldanerkenntnis gewertet werden und den Versicherungsschutz beeinträchtigen.
  • Verspätete Meldung an die Haftpflichtversicherung: Viele Policen enthalten Fristen; wer wartet, riskiert eingeschränkten oder ganz entfallenden Versicherungsschutz.
  • Dokumentation nachträglich verändert: Jede Veränderung der Akte nach einem Vorwurf ist ein schwerwiegender Fehler, der strafrechtliche Konsequenzen haben kann.

Fazit

Auf einen Behandlungsfehler-Vorwurf richtig zu reagieren setzt Vorbereitung, Ruhe und professionelle Unterstützung voraus. Eine gute Berufshaftpflichtversicherung ist dabei das Fundament. Ärzteversichert hilft Ihnen, den richtigen Versicherungsschutz zu finden und im Ernstfall vorbereitet zu sein. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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