Die Berufshaftpflichtversicherung ist für Ärzte keine freiwillige Option, sondern eine berufsrechtliche Pflicht. Sie schützt vor den finanziellen Folgen von Behandlungsfehlern und Schadensersatzforderungen. Da Ansprüche oft noch Jahre nach dem Behandlungszeitpunkt geltend gemacht werden, sind bei der Auswahl eines Tarifs besondere Klauseln entscheidend. Diese Checkliste führt durch alle wichtigen Punkte.

Die Checkliste

  1. Deckungssumme ausreichend wählen: Empfohlen werden mindestens 3 Millionen Euro für Personenschäden und 1 Million Euro für Sachschäden pro Schadensfall. In risikoreichen Fachgebieten wie Chirurgie oder Geburtshilfe sollten die Summen höher sein.
  1. Rückwärtsdeckung (Retroaktivdeckung) vereinbaren: Die Rückwärtsdeckung deckt Ansprüche für Behandlungsfehler, die vor Vertragsbeginn lagen, aber erst danach gemeldet werden. Ohne diese Klausel besteht eine gefährliche Lücke.
  1. Nachhaftungsklausel prüfen: Nach Vertragsende müssen Ansprüche, die aus früheren Behandlungen resultieren, noch versichert sein. Die Nachhaftung sollte mindestens fünf, besser zehn Jahre betragen.
  1. Mitversicherung von Assistenten und angestellten Ärzten klären: Wenn Sie angestellte Ärzte oder Assistenten beschäftigen, müssen diese in Ihre Police eingeschlossen sein oder eine eigene Versicherung nachweisen.
  1. Strafrecht-Schlüssel-Baustein prüfen: Strafrechtliche Verfahren nach Behandlungsfehlern sind möglich. Ein guter Tarif übernimmt Anwaltskosten auch im Strafverfahren.
  1. Fachgebiete und Tätigkeiten vollständig angeben: Die Berufshaftpflicht deckt nur die angegebenen Tätigkeiten ab. Nebentätigkeiten, Gutachten, Notarztdienste oder Tätigkeit als Belegarzt müssen gesondert eingeschlossen werden.
  1. Weltweitdeckung prüfen: Für Ärzte, die gelegentlich im Ausland tätig sind oder auf Kongressen Notfallhilfe leisten, sollte zumindest eine Weltweitdeckung für gelegentliche Auslandstätigkeiten bestehen.
  1. Jährliche Anpassung der Deckungssumme vorsehen: Schäden können sich über Jahre summieren. Stellen Sie sicher, dass Ihre Deckungssummen inflationsindexiert sind oder regelmäßig angepasst werden.
  1. Selbstbehalt sorgfältig wählen: Viele Tarife bieten Selbstbehaltsoptionen an, die die Prämie senken. Wählen Sie einen Betrag, den Sie im Schadensfall auch tatsächlich tragen können.
  1. Anbieter auf Finanzstärke und Regulierungspraxis prüfen: Ein günstige Prämie nützt wenig, wenn der Versicherer im Leistungsfall zögerlich reguliert. Achten Sie auf Bewertungen von Ärzteverbänden und unabhängige Ratings.

Typische Fehler

Zu niedrige Deckungssummen: Gerichtsurteile gegen Ärzte gehen in Einzelfällen in den Millionenbereich. Wer am falschen Ende spart, riskiert die persönliche Haftung für den übersteigenden Betrag.

Fehlende Rückwärtsdeckung: Ein Behandlungsfehler aus dem Vorjahr, der erst nach Abschluss der Versicherung gemeldet wird, ist ohne Retroaktivdeckung nicht gedeckt.

Nebentätigkeiten nicht gemeldet: Gutachtertätigkeit, Schulunterricht oder Nebentätigkeit in einer anderen Praxis sind ohne ausdrückliche Einbeziehung nicht versichert.

Fazit

Die Berufshaftpflicht ist das Fundament der ärztlichen Absicherung. Ärzteversichert hilft Ihnen, die passende Police mit den richtigen Deckungssummen und Klauseln zu finden. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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