Die Berufshaftpflichtversicherung schützt Ärzte vor finanziellen Folgen von Behandlungsfehlern und ist in Deutschland berufsrechtlich vorgeschrieben. Wer eine Praxis eröffnet oder seine Tätigkeiten ausweitet, muss den Versicherungsschutz sorgfältig an seine spezifische Situation anpassen. Diese Checkliste hilft Ihnen, beim Abschluss nichts Wesentliches zu übersehen.

Die Checkliste

  1. Berufsrechtliche Mindestdeckung kennen: Informieren Sie sich über die von Ihrer Ärztekammer vorgeschriebenen Mindestdeckungssummen; diese variieren je nach Bundesland und Fachrichtung.
  2. Deckungssummen bedarfsgerecht wählen: Planen Sie großzügig; für Chirurgen und Gynäkologen sind Deckungssummen von mindestens 5 Millionen Euro pro Schadensfall empfehlenswert.
  3. Tätigkeitsbereich vollständig angeben: Geben Sie alle ausgeübten Tätigkeiten an, inklusive Belegarztverträge, ambulante OPs, Gutachtertätigkeit und ärztliche Nebentätigkeiten.
  4. Rückwärtsdeckung prüfen: Stellen Sie sicher, dass der Vertrag eine Rückwärtsdeckung enthält, die Behandlungen vor Vertragsbeginn abdeckt, wenn der Schaden erst später bekannt wird.
  5. Nachhaftung vereinbaren: Achten Sie auf eine ausreichende Nachhaftungsklausel für Schäden, die erst nach Vertragsende gemeldet werden (mindestens 5 Jahre, besser 10 Jahre).
  6. Sublimits und Ausschlüsse prüfen: Lesen Sie das Kleingedruckte zu Sublimits für bestimmte Schadenarten (z. B. Infektionsschäden, ästhetische Eingriffe) und schließen Sie kritische Lücken.
  7. Mitversicherung von Praxismitarbeitern klären: Stellen Sie sicher, dass Arzthelferinnen, Assistenzärzte und Vertretungsärzte im Rahmen Ihrer Tätigkeit mitversichert sind.
  8. Selbstbehalt bewusst wählen: Ein höherer Selbstbehalt senkt die Prämie; kalkulieren Sie aber, ob Sie im Schadensfall den Selbstbehalt problemlos tragen können.
  9. Mehrere Angebote einholen: Vergleichen Sie mindestens drei Angebote spezialisierter Anbieter; nicht allein der Preis, sondern Bedingungswerk und Service zählen.
  10. Kündigung Altvertrag abstimmen: Kündigen Sie einen bestehenden Vertrag erst, wenn der neue Schutz nahtlos greift; keine Deckungslücke entstehen lassen.
  11. Jahreshauptfälligkeit notieren: Notieren Sie Kündigungsfristen und Hauptfälligkeit; verpassen Sie nicht die jährliche Überprüfungsmöglichkeit.
  12. Anpassung bei Tätigkeitsänderung: Informieren Sie Ihren Versicherer bei jeder wesentlichen Änderung Ihres Tätigkeitsprofils umgehend schriftlich.

Typische Fehler

  • Tätigkeiten unvollständig angegeben: Wer Nebentätigkeiten oder neue Behandlungsmethoden nicht meldet, riskiert im Schadensfall teilweisen oder vollständigen Deckungsverlust.
  • Deckungssummen zu niedrig gewählt: Besonders bei invasiven Fachrichtungen decken zu niedrige Summen nicht die tatsächlich möglichen Schadensersatzforderungen.
  • Nachhaftung vernachlässigt: Ohne Nachhaftungsklausel bleibt der Arzt bei Schäden, die erst nach Kündigung oder Aufgabe der Praxis bekannt werden, ungeschützt.

Fazit

Die Berufshaftpflicht ist kein Kostenfaktor, sondern eine Existenzsicherung. Wer beim Abschluss sorgfältig vorgeht und die Checkliste konsequent abarbeitet, sichert sich und seine Patienten optimal ab. Ärzteversichert berät Sie bei der Auswahl der passenden Berufshaftpflicht für Ihre Fachrichtung und Tätigkeitssituation. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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