Arztpraxen verwalten sensible Patientendaten und sind deshalb attraktive Ziele für Cyberkriminelle. Ransomware-Angriffe können den Praxisbetrieb für Wochen lahmlegen, Datenverluste haben DSGVO-Meldepflichten zur Folge und Reputationsschäden wiegen schwer. Dabei sind viele Angriffe mit einfachen technischen und organisatorischen Maßnahmen vermeidbar. Diese Checkliste gibt einen praxistauglichen Überblick.
Die Checkliste
- Starke Passwörter und Mehrfach-Authentifizierung (MFA) einrichten: Alle Systeme müssen mit starken, einzigartigen Passwörtern gesichert sein. Aktivieren Sie MFA für alle externen Zugänge, E-Mail und die Praxisverwaltungssoftware.
- Software und Betriebssysteme aktuell halten: Veraltete Software ist die häufigste Einfallsschneise für Angreifer. Aktivieren Sie automatische Updates und prüfen Sie regelmäßig, ob kritische Patches eingespielt wurden.
- Antivirenprogramm und Firewall betreiben: Jeder Computer in der Praxis muss mit einer aktuellen Antivirensoftware und einer aktivierten Firewall geschützt sein.
- Datensicherung (Backup) regelmäßig durchführen: Tägliche Backups auf einem externen, vom Netzwerk getrennten Medium sind Pflicht. Testen Sie regelmäßig, ob die Wiederherstellung tatsächlich funktioniert.
- Netzwerk segmentieren: Trennen Sie das Netzwerk für medizinische Geräte vom Büro-WLAN und vom Gäste-WLAN für Patienten. So wird die Ausbreitung eines Angriffs begrenzt.
- Mitarbeiter schulen: Phishing-E-Mails sind der häufigste Angriffsvektor. Schulen Sie alle Mitarbeiter darin, verdächtige E-Mails zu erkennen und nicht auf unbekannte Links oder Anhänge zu klicken.
- Zugriffsteuerung implementieren: Nicht jeder Mitarbeiter benötigt Zugriff auf alle Daten. Beschränken Sie Zugriffsrechte auf das notwendige Minimum (Least-Privilege-Prinzip).
- Cyberversicherung abschließen: Eine Cyberversicherung deckt Kosten für IT-Forensik, Datenwiederherststellung, Betriebsunterbrechung und Bußgelder nach einem erfolgreichen Angriff. Ärzteversichert hilft bei der Tarifauswahl.
- Incident-Response-Plan erstellen: Was passiert im Ernstfall? Legen Sie fest, wer im Team informiert wird, wann der Datenschutzbeauftragte einzuschalten ist und wie Patienten informiert werden.
- TI-Anschluss (Telematikinfrastruktur) sicher konfigurieren: Der Konnektor für die TI muss sicher konfiguriert und regelmäßig aktualisiert werden. Prüfen Sie, ob Ihr IT-Dienstleister die Anforderungen der gematik erfüllt.
Typische Fehler
Kein regelmäßiges Backup: Viele Praxen sichern Daten einmal beim Systemaufbau und danach nie wieder. Ein Backup, das Monate alt ist, nützt bei einem aktuellen Angriff wenig.
Gleiche Passwörter für alle Systeme: Ein kompromittiertes Passwort gibt Angreifern dann Zugang zu allen Systemen. Passwort-Manager helfen, unterschiedliche sichere Passwörter zu verwalten.
Keine Mitarbeiterschulung: Technische Schutzmaßnahmen nützen wenig, wenn Mitarbeiter auf Phishing hereinfallen. Der Mensch ist das schwächste Glied in der Sicherheitskette.
Fazit
Cybersicherheit ist keine IT-Frage allein, sondern eine Managementaufgabe. Ärzteversichert empfiehlt die Kombination aus technischen Maßnahmen und einer Cyberversicherung als optimalen Schutz. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- BSI – Cybersicherheit im Gesundheitswesen
- KBV – IT-Sicherheit in der Praxis
- BaFin – Versicherungsaufsicht
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