Das EBM-System hat eine strukturelle Eigenheit, die viele Ärzte immer wieder unter Liquiditätsdruck setzt: Leistungen werden im laufenden Quartal erbracht, die Abrechnung erfolgt nach Quartalsende, und das Honorar geht erst Wochen oder Monate später ein. Gleichzeitig laufen Personalkosten, Miete und Betriebskosten monatlich weiter. Wer diese Lücke nicht durch eine vorausschauende Liquiditätsplanung überbrückt, gerät in Zahlungsschwierigkeiten – selbst bei hohen Umsätzen. Diese Checkliste zeigt, wie Sie die Liquidität Ihrer Praxis im EBM-Controlling im Griff behalten.
Die Checkliste
- Honorar-Zahlungstermine der KV kennen: Wann überweist Ihre KV das Quartalshonorarprimär? Tragen Sie diese Termine in Ihren Finanzkalender ein und planen Sie Ihren Liquiditätsbedarf um sie herum.
- Monatliche Fixkosten erfassen: Listen Sie alle monatlich anfallenden Zahlungsverpflichtungen auf – Miete, Personalkosten, Leasing, Versicherungen. Das ist die Basis jeder Liquiditätsplanung.
- Liquiditätspuffer in Höhe von mindestens zwei Monatsumsätzen anstreben: Als Richtwert gilt ein Puffer, der mindestens zwei Monate der laufenden Kosten abdeckt. Liegt Ihr aktueller Puffer darunter, sollten Sie aktiv gegensteuern.
- Quartalsschwankungen im Voraus einkalkulieren: Manche Quartale bringen systembedingt weniger Honorar – etwa weil Fallzahlen niedriger sind oder weil Budgetgrenzen früher erreicht werden. Planen Sie diese Schwankungen ein.
- Vorauszahlungen der KV nutzen: Viele KVen bieten Abschlagszahlungen im laufenden Quartal an. Prüfen Sie, ob Sie diese nutzen, und ob die Abschlagshöhe Ihrem tatsächlichen Umsatz entspricht.
- Kontokorrentrahmen mit der Bank klären: Für kurzfristige Liquiditätslücken ist ein Kontokorrentrahmen sinnvoll. Klären Sie die Konditionen, bevor Sie ihn brauchen – in der Krise sind Verhandlungen schwieriger.
- Privatärztliche Einnahmen in die Planung einbeziehen: Wenn die Praxis auch Privatpatienten behandelt oder IGeL-Leistungen anbietet, fließen diese Honorare zeitnäher ein. Berücksichtigen Sie das in der Liquiditätsplanung.
- Steuervorauszahlungen und Jahresabschlusskosten einplanen: Einkommensteuerzahlungen und Honorarkosten für Steuerberater und Jahresabschluss sind planbare Ausgaben. Sie dürfen in der Liquiditätsvorschau nicht fehlen.
- Investitionen zeitlich steuern: Größere Anschaffungen sollten nach Möglichkeit in Quartale mit hohen Honorareingängen gelegt werden, um Liquiditätsspitzen zu entschärfen.
- Rollende Dreimonate-Vorschau erstellen: Stellen Sie monatlich eine aktuelle Liquiditätsvorschau für die nächsten drei Monate auf. Das gibt Ihnen ausreichend Vorlaufzeit, um bei Engpässen zu reagieren.
- Mahnwesen für Privatpatienten optimieren: Offene Rechnungen bei Privatpatienten binden Liquidität. Ein konsequentes Mahnwesen beschleunigt den Zahlungseingang.
Typische Fehler
Honorarschwankungen nicht antizipiert: Wer mit einem gleichbleibenden Honorar von Quartal zu Quartal plant, wird von Budgeteffekten und saisonalen Schwankungen regelmäßig überrascht.
KV-Abschlagszahlungen zu niedrig: Wenn der gemeldete Abschlag deutlich unter dem tatsächlichen Umsatz liegt, fehlt Liquidität im laufenden Quartal. Die Anpassung der Abschlagshöhe wird oft vergessen.
Steuervorauszahlungen als Liquiditätspuffer betrachtet: Nicht selten nutzen Praxisinhaber Steuerrücklagen als laufende Reserve – und geraten in Schwierigkeiten, wenn die Steuerzahlung fällig wird.
Fazit
Vorausschauende Liquiditätsplanung ist einer der wichtigsten Bausteine eines professionellen EBM-Controllings. Ärzteversichert empfiehlt, die Planung monatlich zu aktualisieren und den Steuerberater regelmäßig einzubeziehen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Honorarverteilung und Abschlagszahlungen
- Bundesministerium der Finanzen – Steuervorauszahlungen und Liquidität
- Bundesärztekammer – Praxiswirtschaft und Finanzplanung
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