Das Praxispersonal ist der Motor des EBM-Controllings – und gleichzeitig eine der häufigsten Fehlerquellen. Falsch erfasste Diagnosen, vergessene Leistungszeiten oder unvollständig ausgefüllte Überweisungsscheine können im EBM-Controlling zu Abrechnungsverlusten oder KV-Korrekturen führen. Wer sein Team regelmäßig über EBM-Änderungen informiert und in abrechnungsrelevanten Prozessen schult, sichert nicht nur das Honorar, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung.
Die Checkliste
- Neue EBM-Positionen und Änderungen kommunizieren: Nach jedem EBM-Update müssen Mitarbeiter, die an der Dokumentation oder Abrechnung beteiligt sind, über relevante Änderungen informiert werden. Ein kurzes Teambriefing genügt oft.
- Dokumentationspflichten schulen: Alle Mitarbeiter, die in der Patientenakte dokumentieren, müssen die Anforderungen für eine abrechenbare Dokumentation kennen. Was muss wann wie festgehalten werden?
- Diagnoseerfassung (ICD-Kodierung) überprüfen: Falsch kodierte Diagnosen führen zu Abrechnungsfehlern und können eine Plausibilitätsprüfung auslösen. Schulen Sie das Personal in korrekter ICD-Kodierung.
- Leistungserfassung im Praxissystem prüfen: Stellen Sie sicher, dass das Personal weiß, wie erbrachte Leistungen korrekt in der Praxissoftware erfasst werden. Falsche Eingaben fallen oft erst beim Quartalsabschluss auf.
- Zuständigkeiten für Abrechnungsprozesse klären: Wer ist intern für welchen Schritt der Abrechnung verantwortlich? Unklare Zuständigkeiten führen zu Lücken und Doppelarbeit.
- Verhaltensregeln bei Rückfragen der KV kommunizieren: Was soll das Personal tun, wenn die KV anruft und Nachfragen zur Abrechnung stellt? Eskalation an den Praxisinhaber oder eine beauftragte Person ist die Regel.
- Personal über Schweigepflicht und Datenschutz bei Abrechnungsdaten aufklären: Abrechnungsdaten sind sensible Patientendaten. Das Personal muss wissen, dass auch im Gespräch mit Patienten über Abrechnungsfragen Vertraulichkeit gilt.
- Umgang mit Kassenanfragen schulen: Gelegentlich fragen Krankenkassen nach Details zu abgerechneten Leistungen. Wer in der Praxis antwortet, und wie? Ein klarer Prozess schützt die Praxis.
- Fehlerkultur fördern: Mitarbeiter, die Abrechnungsfehler bemerken, sollen diese sofort melden – ohne Angst vor Konsequenzen. Eine offene Fehlerkultur verhindert, dass Fehler erst bei der KV-Prüfung auffallen.
- Regelmäßige Briefings zum Quartalsabschluss einplanen: Kurz vor dem Quartalsende sollte ein kurzes Team-Meeting stattfinden, um offene Dokumentationslücken zu schließen und die Abrechnung zu vervollständigen.
- Schulungen dokumentieren: Alle Mitarbeiterschulungen zu EBM und Abrechnung müssen mit Datum, Inhalt und Teilnehmerliste dokumentiert werden.
Typische Fehler
EBM-Änderungen nicht ins Team kommuniziert: Wenn nur der Praxisinhaber über neue EBM-Positionen informiert ist, das Personal aber weiter nach alten Regeln arbeitet, entstehen Abrechnungslücken.
Dokumentation zu kurz oder unvollständig: Personal neigt dazu, Einträge abzukürzen. Was für die interne Kommunikation ausreicht, genügt häufig nicht als Nachweis für abgerechnete Leistungen.
Keine Fehlerkultur: Fehler, die nicht gemeldet werden, können sich über Quartale hinweg summieren – und dann bei einer Prüfung zu erheblichen Rückforderungen führen.
Fazit
Informiertes und geschultes Personal ist die wichtigste Ressource für ein funktionierendes EBM-Controlling. Ärzteversichert empfiehlt, Schulungen und Briefings als feste Bestandteile des Praxisalltags zu etablieren. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Abrechnung und Dokumentation
- Bundesärztekammer – Weiterbildung und Praxisorganisation
- SGB V – Vertragsärztliche Dokumentationspflichten
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