Versicherungen werden im EBM-Controlling häufig vergessen – dabei sind sie direkt mit dem wirtschaftlichen Erfolg einer Arztpraxis verknüpft. Eine unzureichende Berufshaftpflicht, eine fehlende Betriebsunterbrechungsversicherung oder ein nicht angepasster Versicherungsschutz nach einer Praxiserweiterung können im Schadensfall existenzbedrohend sein. Das jährliche EBM-Controlling ist der richtige Moment, alle relevanten Policen auf Aktualität, Deckungsumfang und Angemessenheit zu überprüfen.

Die Checkliste

  1. Berufshaftpflichtversicherung auf Deckungssumme prüfen: Ist die Deckungssumme noch angemessen für den Umfang Ihrer Tätigkeit? Neue Leistungsbereiche oder ein gewachsenes Behandlungsvolumen erfordern möglicherweise eine Anpassung.
  1. Neue Leistungsbereiche dem Versicherer melden: Wenn Sie neue EBM-Leistungen erbringen (z. B. nach Genehmigungserweiterung), muss der Berufshaftpflichtversicherer darüber informiert werden. Sonst besteht möglicherweise kein Versicherungsschutz.
  1. Praxisinhaltsversicherung auf Aktualität prüfen: Neue Geräte oder Praxisausstattung müssen der Inhaltsversicherung gemeldet werden. Veraltete Inventarlisten führen im Schadensfall zu Unterversicherung.
  1. Betriebsunterbrechungsversicherung überprüfen: Deckt die Police eine Betriebsunterbrechung durch Krankheit, Unfall oder IT-Ausfall ab? Die Deckungssumme sollte den laufenden Praxiskosten plus einem Honorarersatz entsprechen.
  1. Cyberversicherung auf EBM-relevante Risiken prüfen: Datenverlust oder Systemausfall durch Cyberangriff kann die Abrechnung eines ganzen Quartals gefährden. Prüfen Sie, ob Ihre Cyberversicherung auch Abrechnungsausfälle abdeckt.
  1. Praxisgebäudeversicherung (falls Eigentümer) prüfen: Eigentümer von Praxisräumen müssen die Gebäudeversicherung regelmäßig auf Aktualität und angemessene Versicherungssumme prüfen.
  1. Rechtsschutzversicherung auf Vertragsarztrecht prüfen: Konflikte mit der KV – Plausibilitätsprüfungen, Honorarkürzungen, Zulassungsstreitigkeiten – können teuer werden. Deckt Ihre Rechtsschutzversicherung auch vertragsärztliche Auseinandersetzungen ab?
  1. Versicherungskosten in das EBM-Controlling einbeziehen: Prämien sind Betriebsausgaben. Prüfen Sie im Controlling, ob die Versicherungskosten in einem angemessenen Verhältnis zu den Honorareinnahmen stehen.
  1. Beiträge vergleichen: Versicherungsmarkt und Ihre individuelle Risikosituation verändern sich. Eine regelmäßige Marktanalyse oder die Beratung durch einen auf Heilberufe spezialisierten Versicherungsmakler kann Prämien optimieren.
  1. Versicherungspolices zentral ablegen: Alle Versicherungsunterlagen sollten zentral und schnell zugänglich sein – digital und physisch. Im Schadensfall muss man sofort handeln können.
  1. Versicherungsberater jährlich kontaktieren: Planen Sie einmal im Jahr ein Review-Gespräch mit Ihrem Versicherungsberater, idealerweise zusammen mit dem EBM-Controlling-Termin.

Typische Fehler

Neue Leistungsbereiche nicht gemeldet: Wenn die Praxis neue EBM-Genehmigungen erhält und neue Leistungen erbringt, ohne den Berufshaftpflichtversicherer zu informieren, besteht für diese Leistungen möglicherweise kein Versicherungsschutz.

Deckungssummen nie angepasst: Viele Praxen haben seit Jahren unveränderte Versicherungssummen – obwohl der Praxisumsatz und die Patientenzahl gestiegen sind.

Betriebsunterbrechungsschutz unterschätzt: Bei einer längeren Krankheit ist die Praxis ohne Betriebsunterbrechungsversicherung schnell in ernsten Liquiditätsschwierigkeiten.

Fazit

Versicherungsschutz und EBM-Controlling gehören zusammen: Wer wirtschaftlich planen will, muss auch für den Schadensfall vorgesorgt haben. Ärzteversichert empfiehlt, Versicherungen im jährlichen Controlling-Prozess systematisch zu überprüfen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

Persönliche Beratung zu diesem Thema?

Kostenfreie Erstberatung anfragen →