Nach Jahren in der Klinik wechseln viele Ärzte in die Niederlassung oder gründen eine eigene Praxis. Dieser Schritt ist einer der bedeutsamsten der ärztlichen Karriere und erfordert sorgfältige Vorbereitung in rechtlicher, finanzieller und organisatorischer Hinsicht. Diese Checkliste gibt einen strukturierten Überblick über alle wichtigen Schritte.
Die Checkliste
- Zulassung bei der KV beantragen: Für die Tätigkeit als Kassenarzt ist eine Zulassung bei der Kassenärztlichen Vereinigung notwendig. Prüfen Sie frühzeitig, ob im gewünschten Planungsbereich freie Zulassungen oder Nachfolgestellen verfügbar sind.
- Businessplan erstellen: Ein detaillierter Businessplan ist Grundlage für die Bankfinanzierung und hilft, die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu prüfen. Enthalten sein sollten: Standortanalyse, Umsatzprognose, Kostenplanung, Finanzierungsbedarf und Break-even-Analyse.
- Finanzierung sichern: Arztpraxen benötigen meist 150.000 bis 500.000 Euro Startkapital. Klären Sie frühzeitig die Finanzierung mit KfW-Fördermitteln, KfW-Arztdarlehen und Hausbank. Ärzteversichert unterstützt bei der Vorbereitung des Bankgesprächs.
- Rechtsform wählen: Einzelpraxis, Berufsausübungsgemeinschaft (BAG), MVZ oder GmbH: Jede Rechtsform hat steuerliche und haftungsrechtliche Konsequenzen. Lassen Sie sich von einem Steuerberater und einem Medizinrechtsanwalt beraten.
- Praxisräume suchen und Mietvertrag prüfen: Lage, Größe, Barrierefreiheit und Umbauoptionen sind entscheidend. Der Mietvertrag sollte von einem Rechtsanwalt geprüft werden; lange Laufzeiten ohne Sonderkündigungsrechte sind problematisch.
- Berufshaftpflicht und andere Pflichtversicherungen abschließen: Als Praxisinhaber benötigen Sie spätestens ab dem ersten Behandlungstag eine gültige Berufshaftpflichtversicherung sowie eine Praxisinventar- und Betriebsunterbrechungsversicherung.
- Praxisausstattung und IT planen: Medizinische Geräte, Praxissoftware, TI-Anschluss und Büroausstattung müssen geplant und beschafft werden. Achten Sie auf Zertifizierungen und Kompatibilität.
- Personal einstellen und einarbeiten: Planung des Personalbedarfs (MFA, Abrechnungsfachkraft), Einholung von Stellenbeschreibungen und Einarbeitungsplänen. Meldepflichten beim Finanzamt und der Berufsgenossenschaft beachten.
- Krankenkassen-Zulassung und Abrechnungsnummer beantragen: Neben der KV-Zulassung benötigen Sie eine Abrechnungsnummer der KV sowie die Registrierung bei der zuständigen KV für die Abrechnung.
- Eigene Altersvorsorge und Absicherung anpassen: Mit der Selbstständigkeit entfällt der Arbeitgeberzuschuss zur Sozialversicherung. Passen Sie BU, Krankenversicherung und Altersvorsorge an die neue Situation an.
Typische Fehler
Finanzierung unterschätzt: Viele Neugründer rechnen zu optimistisch mit dem Umsatzanlauf. Ein Liquiditätspuffer von sechs bis zwölf Monaten ist unverzichtbar.
Zulassungsprozess zu spät gestartet: Das KV-Zulassungsverfahren dauert Monate. Wer zu spät beginnt, kann nicht zum geplanten Datum starten.
Versicherungsschutz vergessen: In der Gründungsphase werden Versicherungen oft als nachrangig betrachtet. Ohne Berufshaftpflicht ist jedoch jede Behandlung ein rechtliches Risiko.
Fazit
Die Existenzgründung nach der Klinik ist ein Meilenstein, der früh und sorgfältig geplant sein will. Ärzteversichert begleitet Sie von der ersten Beratung bis zum finalen Versicherungspaket. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
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