Eine Scheidung ist für Ärzte mit besonderen finanziellen Risiken verbunden: Die Praxis kann in den Zugewinnausgleich einbezogen werden, Versorgungsansprüche werden geteilt und laufende Versicherungen müssen angepasst werden. Diese Checkliste hilft Ihnen, die wichtigsten finanziellen Maßnahmen im Scheidungsfall strukturiert anzugehen.
Die Checkliste
- Fachanwalt für Familienrecht mit Kenntnissen im Medizinrecht einschalten: Suchen Sie frühzeitig einen spezialisierten Anwalt auf; die Bewertung von Praxisvermögen erfordert besondere Expertise.
- Praxisbewertung in Auftrag geben: Der Wert der Arztpraxis ist ein zentraler Streitpunkt beim Zugewinnausgleich; beauftragen Sie einen unabhängigen Gutachter mit einer Praxisbewertung nach IDW S1.
- Ehevertrag und Güterstand prüfen: Klären Sie mit Ihrem Anwalt, welcher Güterstand gilt und welche Vereinbarungen im Ehevertrag die Praxisbewertung beeinflussen.
- Versorgungsausgleich vorbereiten: Beim Versorgungsausgleich werden alle während der Ehe erworbenen Rentenansprüche (GKV, Versorgungswerk, bAV) hälftig aufgeteilt; beschaffen Sie alle relevanten Rentennachweise.
- Krankenversicherung des Ehepartners klären: Ist Ihr Ehepartner über Ihre PKV mitversichert, muss nach der Scheidung eine eigene Versicherung abgeschlossen werden; planen Sie ausreichend Vorlauf.
- Bezugsberechtigte in Versicherungen sofort ändern: Aktualisieren Sie unverzüglich alle Bezugsberechtigungen in BU, Lebensversicherung und Versorgungswerk.
- Testament und Vollmachten anpassen: Ändern Sie Testament und Vorsorgevollmacht; der Ehepartner ist nach Einleitung des Scheidungsverfahrens in der Regel nicht mehr als Bevollmächtigter geeignet.
- Unterhaltspflichten kennen: Informieren Sie sich über mögliche Trennungs- und nacheheliche Unterhaltsansprüche; lassen Sie den Unterhaltsanspruch von einem Anwalt berechnen.
- Gemeinsame Konten und Depots auflösen: Klären Sie die Aufteilung gemeinsamer Konten, Depots und Sparverträge; handeln Sie nicht überstürzt, da Überweisungen als Vermögensverschiebung gewertet werden können.
- Steuerliche Auswirkungen klären: Klären Sie mit dem Steuerberater, wie sich die Scheidung auf Steuerklasse, Zusammenveranlagung und ggf. Unterhaltszahlungen auswirkt.
- Finanzplan für die Zeit nach der Scheidung erstellen: Erstellen Sie mit dem Steuerberater einen neuen Finanzplan; Einzelhaushalt, geänderte Steuerlast und möglicherweise Unterhalt verändern Ihre Liquiditätssituation erheblich.
- Praxisbetrieb schützen: Stellen Sie sicher, dass der Praxisbetrieb während des Scheidungsverfahrens nicht durch Auseinandersetzungen gefährdet wird; treffen Sie Schutzmaßnahmen für Praxiskonto und Zulassung.
Typische Fehler
- Praxis nicht schützenswert eingestuft: Viele Ärzte ohne Ehevertrag gehen davon aus, dass die Praxis vom Zugewinnausgleich ausgenommen ist; das ist falsch.
- Versorgungsausgleich unterschätzt: Der hälftige Ausgleich aller Rentenansprüche kann die eigene Altersvorsorge erheblich reduzieren; informieren Sie sich frühzeitig.
- Bezugsberechtigte nicht geändert: Im Todesfall vor Scheidungsabschluss fließen Versicherungsleistungen ggf. noch an den Noch-Ehepartner.
Fazit
Eine Scheidung ist emotional belastend und finanziell komplex. Strukturiertes Vorgehen mit einem Netzwerk aus Anwalt, Steuerberater und Versicherungsberater minimiert die finanziellen Folgen. Ärzteversichert unterstützt Sie bei der Neuaufstellung Ihres Versicherungsschutzes. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- BMF – Steuerklassen und Trennung
- Bundesärztekammer – Praxisnachfolge und Recht
- GDV – Versicherungen und Familienrecht
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