Viele Ärzte akzeptieren das ihnen angebotene Gehalt, ohne zu verhandeln. Dabei ist Verhandeln keine Unhöflichkeit, sondern ein professionelles Verhalten. Gerade beim Einstieg in eine neue Stelle oder bei Beförderung lassen sich durch gute Vorbereitung oft mehrere tausend Euro jährlich herausholen. Diese Checkliste führt durch eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung.
Die Checkliste
- Marktgehalt recherchieren: Informieren Sie sich über das marktübliche Gehalt für Ihre Fachrichtung, Erfahrungsstufe und Region. Quellen sind: Tarifvertrag Ärzte (TV-Ärzte/VKA oder Marburger Bund), Gehaltsumfragen der Ärzteverbände und Stellenanzeigen.
- Eigene Leistungen und Qualifikationen auflisten: Notieren Sie Ihre besonderen Leistungen, Qualifikationen und Zusatzfähigkeiten: Publikationen, Drittmittelprojekte, Leitungserfahrung, Spezialoperationen oder besondere Patientenzahlen.
- Wunschgehalt festlegen: Setzen Sie sich eine konkrete Zielzahl und eine Untergrenze. Nennen Sie im Gespräch eher Ihre Obergrenze, um Verhandlungsspielraum zu haben.
- Zeitpunkt klug wählen: Gehaltsverhandlungen sind günstig: nach einem erfolgreichen Projekt, bei einem neuen Vertrag, beim Jobwechsel oder wenn die Abteilung gut läuft. Schlechte Stimmung oder Sparrunden sind ungünstige Zeitpunkte.
- Gespräch klar einfordern: Bitten Sie Ihren Vorgesetzten um ein separates Gespräch zum Thema Vergütung. Beiläufig am Flur anzusprechen ist weniger effektiv als ein geplantes Termin.
- Verhandlungsrahmen kennen: In Tarifkrankenhäusern gibt es wenig Spielraum beim Grundgehalt, aber Verhandlungsmöglichkeiten bei Eingruppierung, Erfahrungsstufe oder Zulagen. Außertarifliche Stellen bieten mehr Spielraum.
- Gesamtpaket verhandeln: Wenn das Grundgehalt nicht erhöht werden kann, verhandeln Sie Nebenleistungen: Fortbildungsbudget, Rufdienstvergütung, Dienstwagen, private Nutzung von Geräten oder Unterstützung bei Weiterqualifikationen.
- Professionell und sachlich bleiben: Emotionale Argumente ("Ich brauche das Geld für...") überzeugen selten. Sachliche Argumente ("Mein Marktwert beträgt...") sind stärker.
- Zusagen schriftlich festhalten: Mündliche Zusagen sind schwer beweisbar. Halten Sie Verhandlungsergebnisse immer schriftlich fest.
- Versicherungen nach Gehaltserhöhung anpassen: Nach einer Gehaltserhöhung sollte geprüft werden, ob BU-Rente und Krankentagegeld angepasst werden müssen.
Typische Fehler
Kein konkretes Wunschgehalt genannt: Wer nur sagt "Ich möchte mehr verdienen", ohne eine Zahl zu nennen, gibt dem Arbeitgeber die Kontrolle. Konkrete Zahlen stärken die Verhandlungsposition.
Zu früh nachgegeben: Ein erstes Nein ist selten das letzte Wort. Ruhig nachfragen, was zu einer Erhöhung führen würde.
Marktlage nicht recherchiert: Ohne Marktdaten verhandelt man im Dunkeln. Vorbereitung ist der wichtigste Erfolgsfaktor.
Fazit
Eine gut vorbereitete Gehaltsverhandlung ist eine Investition, die sich langfristig auszahlt. Ärzteversichert empfiehlt, nach einer Gehaltserhöhung die Versicherungsdeckung zu überprüfen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
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