Privatärztliche GOÄ-Honorare fließen anders als GKV-Vergütungen: Statt quartalsweiser Abschlagszahlungen und Honorarbescheiden gibt es individuelle Rechnungen, PKV-Erstattungszeiträume und manchmal auch hartnäckige Nichtzahler unter den Privatpatienten. Für die Liquiditätsplanung bedeutet das mehr Unsicherheit und die Notwendigkeit eines strukturierten Mahnwesens. Diese Checkliste hilft Ihnen, die Liquidität Ihrer privatärztlichen Praxis systematisch zu planen und abzusichern.

Die Checkliste

  1. Zahlungsmuster von PKV-Gesellschaften analysieren: Wie lange dauert es bei den verschiedenen PKV-Gesellschaften, bis Erstattungen an Patienten weitergeleitet werden? Analysieren Sie historische Zahlungsdaten und planen Sie entsprechend.
  1. Zahlungsverhalten der Privatpatienten erfassen: Welche Patienten zahlen pünktlich, welche benötigen Mahnungen? Eine aktuelle Debitorenübersicht ist die Grundlage für eine realistische Liquiditätsplanung.
  1. Mahnwesen mit klaren Eskalationsstufen einrichten: Definieren Sie, nach welchem Zeitraum eine erste Erinnerung, eine Mahnung und eine Inkassoübergabe erfolgen. Automatisierung reduziert den Aufwand erheblich.
  1. Forderungsausfälle realistisch einkalkulieren: Nicht alle Privatpatienten zahlen vollständig. Planen Sie einen realistischen Forderungsausfallpuffer in Ihre Liquiditätsplanung ein.
  1. GOÄ-Rechnungen zeitnah ausstellen: Je früher eine Rechnung gestellt wird, desto früher kann der Eingang geplant werden. Ein regelmäßiger Rechnungslauf (z. B. wöchentlich) verbessert die Liquiditätsprognostizierbarkeit.
  1. Kontokorrentrahmen als Puffer für Zahlungsengpässe nutzen: Für die Zeit zwischen Rechnungsstellung und Zahlungseingang kann ein Kontokorrentrahmen sinnvoll sein. Klären Sie die Konditionen vorab.
  1. Saisonale Schwankungen berücksichtigen: Die Patientenzahl in einer Privatarztpraxis kann saisonal stark schwanken. Urlaubszeiten, Feiertage und regionale Besonderheiten beeinflussen den Honorareingang.
  1. Vorfinanzierung über PVS-Factoring prüfen: Manche Privatärztliche Verrechnungsstellen bieten Factoring an – d. h. die sofortige Auszahlung des Honorars gegen eine Gebühr. Prüfen Sie, ob das für Ihre Praxis wirtschaftlich sinnvoll ist.
  1. Steuervorauszahlungen und Rücklagen planen: Privatärztliche Honorare führen zu regelmäßigen Einkommensteuervorauszahlungen. Bilden Sie laufend Rücklagen, um Zahlungsengpässe bei fälligen Steuerbeträgen zu vermeiden.
  1. Rollende Monatsvorschau erstellen: Stellen Sie monatlich eine aktuelle Liquiditätsvorschau auf, die offene GOÄ-Forderungen, erwartete Eingänge und geplante Ausgaben berücksichtigt.
  1. Beratung durch Steuerberater bei Liquiditätsplanung nutzen: Privatärztliche Liquiditätsplanung hat steuerliche Besonderheiten. Der Steuerberater sollte regelmäßig in die Planung einbezogen werden.

Typische Fehler

Zahlungsausfall nicht eingeplant: Wer davon ausgeht, dass alle Privatpatienten pünktlich zahlen, wird regelmäßig von der Realität überrascht. Ein realistischer Puffer ist unerlässlich.

Rechnungen zu spät gestellt: Wenn Rechnungen erst Wochen nach der Behandlung ausgestellt werden, verzögert sich der Zahlungseingang entsprechend. Zeitnahe Rechnungsstellung ist der einfachste Liquiditätshebel.

Keine Rücklage für Steuervorauszahlungen: Privatärztliche Honorare werden oft direkt für Betriebsausgaben oder private Entnahmen genutzt. Wenn die Steuervorauszahlung fällig wird, fehlt das Geld.

Fazit

Vorausschauende Liquiditätsplanung ist für privatärztliche Praxen genauso wichtig wie für GKV-Praxen – und in mancher Hinsicht noch anspruchsvoller. Ärzteversichert empfiehlt, die GOÄ-Liquiditätsplanung als festen monatlichen Prozess zu etablieren. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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