Bei der privatärztlichen GOÄ-Abrechnung spielen Vertrauen und Kommunikation eine entscheidende Rolle. Privatpatienten haben hohe Erwartungen – sowohl an die medizinische Leistung als auch an die Transparenz der Abrechnung. Wer Honorarvereinbarungen unvorbereitet vorlegt, Kostenvoranschläge vergisst oder Rechnungen ohne Erklärung verschickt, provoziert Widersprüche und Zahlungsverzögerungen. Eine strukturierte Patientenkommunikation ist deshalb ein unterschätzter, aber wirkungsvoller Hebel in der GOÄ-Optimierung.

Die Checkliste

  1. Erstgespräch standardisieren: Das erste Gespräch mit einem Privatpatienten sollte immer die Frage der Abrechnung und des Versicherungsschutzes beinhalten. Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Informationen abgefragt und dokumentiert werden.
  1. Kostenvoranschläge für geplante Eingriffe erstellen: Vor kostenintensiven Eingriffen sollte ein Kostenvoranschlag erstellt und besprochen werden. Das beugt Überraschungen vor und schafft Vertrauen.
  1. Honorarvereinbarungen aktiv erläutern: Legen Sie Honorarvereinbarungen nicht einfach vor – erklären Sie, was vereinbart wird und was das für den Patienten bedeutet. Transparenz verhindert Rückfragen und Widersprüche.
  1. PKV-Erstattungsfähigkeit ansprechen: Viele Privatpatienten gehen davon aus, dass alles erstattet wird. Erläutern Sie, welche Leistungen von PKVs typischerweise gut, welche weniger gut erstattet werden.
  1. IGeL-Leistungen transparent kommunizieren: Selbstzahlerleistungen müssen aktiv, transparent und ohne Druck angeboten werden. Geben Sie Patienten ausreichend Zeit für eine Entscheidung.
  1. Rechnungen verständlich gestalten: GOÄ-Rechnungen sind für Patienten oft schwer lesbar. Eine kurze Erläuterung der wichtigsten Positionen – entweder in einem Begleitschreiben oder in der Rechnung selbst – verbessert die Zahlungsbereitschaft.
  1. Prozess für Patientenanfragen zur Rechnung einrichten: Patienten, die Fragen zur Rechnung haben, müssen schnell und kompetent beantwortet werden. Wer in der Praxis ist dafür zuständig?
  1. Umgang mit PKV-Erstattungsschwierigkeiten regeln: Wenn ein Patient Schwierigkeiten mit der PKV-Erstattung hat, kann die Praxis oft unterstützen (z. B. mit Nachweisen, Arztbriefen). Ein definierter Prozess schafft Klarheit.
  1. Mahnprozess patientenfreundlich gestalten: Auch Mahnungen können freundlich und respektvoll formuliert sein. Ein zu aggressiver Ton beschädigt die Arzt-Patient-Beziehung dauerhaft.
  1. Feedback von Privatpatienten zur Abrechnung einholen: Regelmäßige Rückmeldungen zeigen, ob die Kommunikation als verständlich und fair empfunden wird. Nutzen Sie Patientenbefragungen gezielt für diesen Bereich.
  1. Praxisinformationen für Privatpatienten aktuell halten: Informationsmaterial über Leistungsangebot, Honorarrahmen und Abrechnungsmodalitäten sollte in der Praxis ausliegen und auf der Website aktuell sein.

Typische Fehler

Honorarvereinbarung ohne Erläuterung vorgelegt: Wenn ein Patient einfach ein Formular zur Unterschrift bekommt, ohne zu verstehen, was er unterschreibt, ist die Basis für spätere Streitigkeiten gelegt.

Kostenvoranschlag fehlt: Bei teuren Eingriffen überrascht die Rechnung den Patienten. Das führt zu Zahlungsverzögerungen, Widersprüchen und im schlimmsten Fall zu Vertrauensverlust.

Rechnungen zu komplex: Eine GOÄ-Rechnung ohne Erläuterung ist für viele Patienten ein Dokument in einer Fremdsprache. Der Aufwand für eine kurze Erklärung zahlt sich durch weniger Rückfragen aus.

Fazit

Transparente und strukturierte Patientenkommunikation ist ein oft unterschätzter Hebel bei der GOÄ-Optimierung. Ärzteversichert empfiehlt, die Kommunikationsprozesse einmal jährlich zu überprüfen und das Personal gezielt zu schulen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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