Wer seine GOÄ-Abrechnung optimiert, erhöht sein Honorar – und damit auch sein Risikoprofil. Höhere Honorare bedeuten höhere Schadenspotenziale bei Haftungsfällen, und neue Leistungsbereiche können Versicherungslücken entstehen lassen, wenn die Policen nicht entsprechend angepasst werden. Die jährliche GOÄ-Optimierung ist deshalb auch der richtige Zeitpunkt, den Versicherungsschutz der Privatarztpraxis systematisch zu überprüfen und auf die aktuellen Gegebenheiten abzustimmen.
Die Checkliste
- Berufshaftpflicht auf neue GOÄ-Leistungen prüfen: Wenn Sie im Rahmen der GOÄ-Optimierung neue Leistungsbereiche erschließen, muss die Berufshaftpflicht diese Leistungen abdecken. Informieren Sie Ihren Versicherer über Änderungen.
- Deckungssumme an gestiegenes Honorarvolumen anpassen: Höhere privatärztliche Honorare gehen einher mit einem höheren Schadenspotenzial. Prüfen Sie, ob die Deckungssumme noch angemessen ist.
- Cyberversicherung für privatärztliche Datenpflicht prüfen: Privatärztliche Praxen verarbeiten besonders sensible PKV- und Gesundheitsdaten. Ein Cyberangriff kann nicht nur Patientendaten gefährden, sondern auch die Abrechnung lahmlegen. Prüfen Sie den Cyberversicherungsschutz.
- Betriebsunterbrechungsversicherung überprüfen: Bei einer privatärztlichen Praxis fehlen im Falle einer Betriebsunterbrechung sowohl KV-Abschlagszahlungen als auch GKV-Honorare. Die Betriebsunterbrechungsversicherung muss den tatsächlichen Honorarausfall abdecken.
- Praxisinhaltsversicherung auf neue Geräte prüfen: Wenn die GOÄ-Optimierung neue Medizintechnik erfordert, muss die Inhaltsversicherung entsprechend angepasst werden. Neue Geräte müssen der Versicherung gemeldet werden.
- Rechtsschutzversicherung auf GOÄ-Streitigkeiten prüfen: PKV-Widerspruchsverfahren können eskalieren. Deckt Ihre Rechtsschutzversicherung auch Streitigkeiten rund um die privatärztliche Abrechnung ab?
- Berufsunfähigkeitssicherung auf aktuelles Einkommen abstimmen: Wenn die GOÄ-Optimierung zu deutlich höheren Einnahmen führt, sollte die BU-Versicherung entsprechend angepasst werden, um die tatsächliche Einkommenslücke im Falle einer BU zu schließen.
- PKV-Erstattungspraktiken bei Versicherungsplanung berücksichtigen: Wenn bestimmte GOÄ-Positionen regelmäßig von PKVen nicht erstattet werden, sollte dieser Ausfall bei der Liquiditäts- und Versicherungsplanung berücksichtigt werden.
- Prämienvergleich für bestehende Policen durchführen: Versicherungsmärkte verändern sich. Ein Prämienvergleich alle zwei bis drei Jahre kann die Kosten erheblich senken – ohne Deckungsverlust.
- Versicherungsberater für Heilberufe einbeziehen: Ein auf Ärzte spezialisierter Versicherungsmakler kennt die spezifischen Risiken einer Privatarztpraxis und kann Deckungslücken identifizieren, die einem Generalmakler entgehen.
- Alle Policen zentral ablegen: Alle Versicherungsunterlagen sollten an einem zentralen, schnell zugänglichen Ort archiviert sein – digital und physisch.
Typische Fehler
Neue Leistungsbereiche nicht der Berufshaftpflicht gemeldet: Wenn ein Privatarzt neue GOÄ-Leistungen erbringt, ohne die Berufshaftpflicht zu informieren, kann der Versicherungsschutz für diese Leistungen fehlen.
BU-Versicherung nach Honoraroptimierung nicht angepasst: Ein Privatarzt, der durch GOÄ-Optimierung 30 % mehr verdient, sollte auch seinen BU-Schutz entsprechend erhöhen. Das wird häufig vergessen.
Kein Rechtsschutz für Abrechnungsstreitigkeiten: PKV-Streitigkeiten können jahrelang dauern. Ohne entsprechenden Rechtsschutz können die Anwaltskosten schnell die streitigen Honorarbeträge übersteigen.
Fazit
Versicherungsschutz und GOÄ-Optimierung sind zwei Seiten derselben Medaille. Ärzteversichert empfiehlt, den Versicherungsschutz beim jährlichen GOÄ-Optimierungsprozess systematisch zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- GDV – Versicherungsschutz für privatärztliche Praxen
- BaFin – Versicherungsaufsicht und Deckungsanforderungen
- Bundesärztekammer – Berufshaftpflicht und Praxisversicherung
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