Eine Holding-Struktur ermöglicht es Ärzten, Gewinne aus der operativen Praxis oder dem MVZ zu niedrigen Körperschaftsteuersätzen in eine Muttergesellschaft zu übertragen und dort langfristig zu investieren. Das schützt Kapital vor dem persönlichen Einkommensteuerspitzensatz. Diese Struktur ist ab einem gewissen Gewinnniveau hochinteressant, aber auch mit administrativem Aufwand verbunden. Diese Checkliste hilft zu prüfen, ob eine Holding sinnvoll ist.
Die Checkliste
- Gewinn-Schwellenwert ermitteln: Eine Holding lohnt sich typischerweise ab einem jährlichen Praxisgewinn von 150.000 bis 200.000 Euro, der nicht vollständig für den Lebensunterhalt benötigt wird. Ein Steuerberater kalkuliert den Break-even-Punkt.
- Grundstruktur verstehen: Bei einer typischen Arzt-Holding hält die Muttergesellschaft (Holding-GmbH) die Anteile an der operativen Tochtergesellschaft (Betriebs-GmbH oder MVZ-GmbH). Gewinne können von der Tochter steuerbegünstigt an die Holding ausgeschüttet werden.
- Steuerliches Privileg der Holdingstruktur kennen: Dividenden von einer Tochter-GmbH an die Mutter-GmbH sind zu 95 Prozent steuerfrei (§8b KStG). Das ermöglicht eine effektive Thesaurierungsbesteuerung von ca. 1,5 Prozent auf ausgeschüttete Gewinne.
- Berufsrechtliche Zulässigkeit prüfen: In vielen Bundesländern sind ärztliche Tätigkeiten nicht ohne Weiteres in einer GmbH erlaubt. Prüfen Sie gemeinsam mit einem Medizinrechtsanwalt, welche Tätigkeiten in die GmbH ausgelagert werden können.
- Gründungskosten kalkulieren: Die Gründung einer Holding-GmbH (Notar, Handelsregister, Stammkapital) kostet typischerweise 2.000 bis 5.000 Euro, hinzu kommen laufende Kosten für Steuerberatung und Buchhaltung.
- Laufende Verwaltungskosten einplanen: Jede GmbH erfordert einen Jahresabschluss, Buchhaltung und Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Diese Kosten summieren sich auf 3.000 bis 8.000 Euro jährlich.
- Vermögensentnahme aus der Holding planen: Kapital, das in der Holding thesauriert wurde, muss bei Entnahme (Dividende an den Gesellschafter) versteuert werden (Abgeltungsteuer 25 Prozent). Planen Sie Entnahmezeitpunkte steueroptimiert.
- Immobilien und Kapitalanlagen in der Holding prüfen: Immobilien und ETF-Investments lassen sich unter Umständen steuerlich vorteilhafter in der Holding halten. Prüfen Sie diese Optionen mit dem Steuerberater.
- Erbschaftsteuerliche Aspekte beachten: Die Vererbung einer Holding-GmbH hat steuerliche Konsequenzen. Lassen Sie die erbschaftsteuerliche Seite frühzeitig analysieren.
- Umsetzungsbegleitung durch Steuerberater und Anwalt: Die Einrichtung einer Holding-Struktur ist ein komplexes Vorhaben. Setzen Sie es nur mit erfahrenen Beratern um.
Typische Fehler
Holding für zu geringe Gewinne eingerichtet: Wer eine Holding für 80.000 Euro Jahresgewinn einrichtet, hat meist mehr Verwaltungsaufwand und Kosten als Steuervorteil.
Berufsrechtliche Hürden ignoriert: Ärztliche Tätigkeiten in einer GmbH sind nicht überall erlaubt. Wer das ignoriert, riskiert berufsrechtliche Konsequenzen.
Keine Exit-Strategie: Was passiert mit der Holding im Ruhestand oder bei Verkauf der Praxis? Diese Fragen müssen beim Aufbau berücksichtigt werden.
Fazit
Eine Holding-Struktur ist für einkommensstarke Ärzte ein leistungsstarkes steuerliches Instrument. Ärzteversichert empfiehlt, die Entscheidung gemeinsam mit einem spezialisierten Steuerberater zu treffen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- BMF – Körperschaftsteuer §8b KStG
- Bundesärztekammer – Berufsrecht und GmbH
- BaFin – Versicherungsaufsicht
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