Arztpraxen verarbeiten hochsensible Patientendaten und sind deshalb verpflichtet, angemessene technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz dieser Daten zu ergreifen. Die DSGVO, das BSI und die KBV geben konkrete Anforderungen vor. Cyberangriffe nehmen zu; ein strukturiertes IT-Sicherheitskonzept ist unverzichtbar. Diese Checkliste gibt einen kompakten Überblick.
Die Checkliste
- Passwortrichtlinie einführen: Alle Benutzerkonten müssen mit starken, einzigartigen Passwörtern gesichert sein (mindestens 12 Zeichen, Kombination aus Groß-/Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen). Passwort-Manager einsetzen.
- Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA) aktivieren: Für alle externen Zugänge (E-Mail, Fernwartung, Cloud) MFA aktivieren. Das verhindert unautorisierte Zugänge, selbst wenn ein Passwort kompromittiert wurde.
- Betriebssysteme und Software aktuell halten: Automatische Updates für alle Betriebssysteme und Anwendungen aktivieren. Veraltete Software ist das häufigste Einfallstor für Angreifer.
- Antivirensoftware und Firewall auf allen Geräten betreiben: Jeder Computer und Server muss mit aktueller Antivirensoftware und einer aktivierten Firewall ausgestattet sein.
- Netzwerk segmentieren: Patientendaten-Netzwerk (PVS), Büro-WLAN und Gäste-WLAN trennen. Medizingeräte sollten in einem eigenen Netzwerksegment betrieben werden.
- Regelmäßige Datensicherungen durchführen: Tägliche Backups auf einem externen, vom Netzwerk getrennten Medium sind Pflicht. Backups regelmäßig auf Wiederherstellbarkeit testen.
- Zugriffsrechte nach Bedarf vergeben (Least Privilege): Jeder Mitarbeiter sollte nur Zugriff auf die Daten haben, die er für seine Tätigkeit benötigt. Adminrechte nur für IT-Verantwortliche.
- Mitarbeiterschulung zu IT-Sicherheit: Phishing, Social Engineering und sichere Passwortpraktiken sind die häufigsten Angriffsvektoren. Mindestens eine Schulung pro Jahr ist empfehlenswert.
- Mobile Geräte absichern: Dienstsmartphones, Tablets und Laptops müssen mit PIN/Biometrie gesichert und bei Verlust fernlöschbar sein. Geräteverschlüsselung aktivieren.
- Incident-Response-Plan erstellen: Was passiert bei einem Sicherheitsvorfall? Wer wird informiert, wann wird der Datenschutzbeauftragte eingeschaltet, wie wird dokumentiert? Den Plan schriftlich fixieren und bekannt machen.
Typische Fehler
Standard-Passwörter nicht geändert: Router, Drucker und Praxisgeräte kommen oft mit werksseitig gesetzten Standard-Passwörtern. Diese sind öffentlich bekannt und müssen sofort geändert werden.
Kein Test der Datensicherung: Ein Backup, das sich nicht wiederherstellen lässt, ist wertlos. Regelmäßiger Restore-Test ist Pflicht.
Keine Schulung des Teams: Technische Maßnahmen schützen nur, wenn das Team weiß, wie es mit ihnen umgeht und was es nicht tun darf.
Fazit
IT-Sicherheit ist eine Investition, die sich im Ernstfall mehrfach auszahlt. Ärzteversichert empfiehlt, IT-Sicherheit und Cyberversicherung gemeinsam zu betrachten. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- BSI – IT-Sicherheit im Gesundheitswesen
- KBV – IT-Sicherheitsrichtlinie
- BaFin – Versicherungsaufsicht
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