Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) bietet die Möglichkeit, fachübergreifend mehrere Ärzte unter einem Dach zu beschäftigen. Die Gründung ist rechtlich komplex und erfordert eine genaue Kenntnis des Sozialrechts, des Zulassungsrechts und des Gesellschaftsrechts. Diese Checkliste gibt einen strukturierten Überblick über alle notwendigen Schritte.
Die Checkliste
- Trägerschaft klären: Ein MVZ kann von zugelassenen Ärzten, zugelassenen Krankenhäusern, gemeinnützigen Einrichtungen oder kommunalen Trägern gegründet werden. Prüfen Sie, welche Trägerform für Ihre Situation geeignet ist.
- Rechtsform wählen: MVZ werden häufig als GmbH, GbR oder Partnerschaftsgesellschaft geführt. Die GmbH bietet Haftungsbeschränkung, erfordert aber höheren Verwaltungsaufwand.
- KV-Zulassung beantragen: Das MVZ benötigt eine eigene Zulassung bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Dazu müssen die beteiligten Ärzte zugelassen oder angestellt sein. Prüfen Sie die Zulassungsvoraussetzungen in Ihrem KV-Bezirk.
- Versorgungsauftrag definieren: Legen Sie fest, welche Fachrichtungen im MVZ vertreten sein sollen. Die KV-Zulassung ist fachgebietsspezifisch; Versorgungsaufträge können übertragen oder neu beantragt werden.
- Businessplan erstellen: Ein detaillierter Businessplan mit Umsatzprognose, Kostenplanung, Personalbedarf und Finanzierungsbedarf ist Grundlage für die Bankfinanzierung und die KV-Genehmigung.
- Finanzierung sichern: MVZ-Gründungen erfordern oft erhebliches Startkapital (500.000 Euro und mehr). Prüfen Sie Förderprogramme der KfW, staatliche Fördermittel und Bankfinanzierungen.
- Gesellschaftsvertrag und Betreibervertrag erstellen: Der Gesellschaftsvertrag regelt die Verhältnisse zwischen den Trägern; der Betreibervertrag zwischen MVZ und angestellten Ärzten. Beide müssen von einem Medizinrechtsanwalt erstellt werden.
- Angestellte Ärzte vertraglich sichern: Angestellte Ärzte des MVZ benötigen klare Arbeitsverträge, die Dienstpflichten, Vergütung, Liquidationsrecht (falls vereinbart) und Kündigungsschutz regeln.
- Berufshaftpflicht für das MVZ und die Ärzte absichern: Das MVZ als Institution und jeder darin tätige Arzt benötigen eine Berufshaftpflichtversicherung. Klären Sie mit Ärzteversichert, wie die optimale Lösung für Ihre Struktur aussieht.
- Praxisräume, IT und TI-Anschluss planen: MVZ benötigen ausreichend Räumlichkeiten für alle Fachgebiete sowie eine gemeinsame IT-Infrastruktur und TI-Anbindung.
Typische Fehler
KV-Zulassung zu spät beantragt: Das Zulassungsverfahren beim Zulassungsausschuss dauert Monate. Wer zu spät beginnt, verzögert die Eröffnung erheblich.
Gesellschaftsvertrag ohne Medizinrechtsanwalt: Ein normaler GmbH-Gesellschaftsvertrag enthält nicht die medizinrechtlichen Besonderheiten, die für ein MVZ nötig sind.
Finanzierung unterschätzt: MVZ haben hohe Anlaufkosten und einen langen Break-even-Zeitraum. Unzureichende Liquidität ist der häufigste Grund für frühe MVZ-Misserfolge.
Fazit
Die MVZ-Gründung erfordert professionelle Begleitung durch Rechtsanwalt, Steuerberater und Finanzierungsberater. Ärzteversichert übernimmt die Versicherungsseite der MVZ-Gründung von Anfang an. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
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