Die Praxisabgabe ist der letzte große Meilenstein im beruflichen Leben eines niedergelassenen Arztes – und weit mehr als ein reiner Verkauf. Zulassungen müssen übertragen, Mitarbeiter informiert, Verträge aufgelöst oder weitergegeben und Patientenakten regelkonform übergeben werden. Eine strukturierte Vorbereitung, idealerweise ein bis zwei Jahre vor dem Abgabedatum, spart Zeit, Geld und Nerven.
Die Checkliste
- Zeitplan festlegen: Setzen Sie einen verbindlichen Abgabetermin und arbeiten Sie rückwärts, um alle Fristen (KV, Finanzamt, Vermieter) zu kalkulieren. Planen Sie mindestens 12 Monate Vorlauf ein.
- Praxiswert ermitteln lassen: Beauftragen Sie einen unabhängigen Gutachter mit der Bewertung nach der AWA-Methode der KBV – sowohl Substanzwert als auch immaterieller Goodwill fließen ein.
- Kassenärztliche Vereinigung informieren: Melden Sie die geplante Abgabe frühzeitig. In gesperrten Planungsbereichen ist ein Ausschreibungsverfahren Pflicht; planen Sie dafür mehrere Monate ein.
- Käufer oder Nachfolger auswählen: Prüfen Sie Approbation, Qualifikation und Eignung. Nutzen Sie KV-Börsen, Ärztekammernetzwerke oder spezialisierte Vermittler.
- Kaufvertrag rechtssicher gestalten: Lassen Sie Kaufpreis, Inventarliste, Übernahme von Verbindlichkeiten und Wettbewerbsklausel durch einen Fachanwalt für Medizinrecht prüfen.
- Mietvertrag und Räumlichkeiten klären: Stimmen Sie mit dem Vermieter ab, ob der Mietvertrag übertragen oder neu abgeschlossen wird. Prüfen Sie Renovierungs- und Rückbaupflichten.
- Personal nach § 613a BGB informieren: Bei einer Betriebsübernahme gehen Arbeitsverhältnisse automatisch auf den Erwerber über. Informieren Sie alle Mitarbeiter rechtzeitig schriftlich.
- Patientenakten datenschutzkonform übergeben: Die Weitergabe von Akten setzt eine rechtliche Grundlage oder Patienteneinwilligung voraus. Informieren Sie Patienten per Brief über den Wechsel.
- KV-Abrechnungen abschließen: Reichen Sie alle offenen Quartalsabrechnungen fristgerecht ein und klären Sie mit der KV, wie laufende Behandlungsfälle abgerechnet werden.
- Versicherungen kündigen oder übergeben: Melden Sie die Tätigkeitsaufgabe bei Berufshaftpflicht, Inhaltsversicherung und weiteren Policen. Beachten Sie Nachhaftungsfristen der Berufshaftpflicht.
- Steuerliche Abschlussbilanz erstellen: Ihr Steuerberater erstellt die Aufgaben- oder Veräußerungsbilanz. Nutzen Sie Freibeträge nach § 16 EStG und den ermäßigten Steuersatz nach § 34 EStG.
- Zulassung zurückgeben oder übertragen: Halten Sie den Stichtag der Zulassungsübertragung exakt ein, um Versorgungslücken und Abrechnungsprobleme zu vermeiden.
Typische Fehler
- Nachhaftungsfristen ignorieren: Behandlungsfehler, die nach der Abgabe bekannt werden, müssen durch eine aktiv vereinbarte Nachhaftungsdeckung abgesichert sein.
- Patientenakten ohne Einwilligung übergeben: Ein DSGVO-Verstoß bei der Aktenübergabe kann erhebliche Bußgelder nach sich ziehen.
- Abrechnungsfristen versäumen: Versäumte KV-Fristen führen zu unwiederbringlichen Einnahmeverlusten im letzten Quartal.
Fazit
Eine organisierte Praxisabgabe schützt Sie rechtlich, steuerlich und finanziell. Wer alle Schritte dieser Checkliste systematisch abarbeitet, gibt seine Praxis sicher in neue Hände. Ärzteversichert berät Sie zu Versicherungsfragen rund um die Praxisabgabe – von der Nachhaftung bis zur Schlussbilanz. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- KBV: Informationen zur Praxisabgabe und Zulassungsrückgabe
- Bundesärztekammer: Leitfaden Praxisübergabe
- BMF: Steuerliche Behandlung von Betriebsaufgabe und -veräußerung
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