Eine Praxisgründung oder -übernahme erfordert in der Regel einen Kapitalbedarf zwischen 150.000 und weit über 500.000 Euro – je nach Fachrichtung, Ausstattung und Standort. Wer ohne solide Finanzierungsplanung in Bankgespräche geht, riskiert Absagen oder ungünstige Konditionen. Diese Checkliste hilft Ihnen, alle notwendigen Schritte zur Praxisfinanzierung systematisch vorzubereiten.

Die Checkliste

  1. Gesamten Kapitalbedarf ermitteln: Erfassen Sie alle Kosten – Kaufpreis oder Goodwill, Inventar, Umbaumaßnahmen, IT-Infrastruktur, Anlaufverluste und Liquiditätsreserve für die ersten Betriebsmonate.
  1. Eigenkapitalanteil bestimmen: Banken erwarten in der Regel 15–30 % Eigenkapital. Klären Sie, welche Eigenmittel (Ersparnisse, Schenkungen, Versorgungswerk-Darlehen) verfügbar sind.
  1. Businessplan erstellen: Entwickeln Sie eine Umsatz- und Kostenplanung für die ersten drei Jahre. Realistische Annahmen zur Fallzahlentwicklung und Patienten-Mix sind entscheidend für die Bankentscheidung.
  1. Förderprogramme prüfen: Informieren Sie sich über KfW-Förderkredite (z. B. ERP-Kapital für Gründung), Bürgschaftsbanken und länderspezifische Förderprogramme für Ärzte in unterversorgten Gebieten.
  1. Spezialisierte Banken ansprechen: Ärzte- und Apothekenbanken kennen die Besonderheiten der Praxisfinanzierung und bieten oft günstigere Konditionen als Hausbanken.
  1. Tilgungsfreie Anlaufzeit verhandeln: Bitten Sie die Bank um eine tilgungsfreie Zeit von 12–24 Monaten, bis die Umsätze stabil sind.
  1. Sicherheiten zusammenstellen: Klären Sie, welche Sicherheiten Sie einbringen können – Lebensversicherungen, Immobilien, Bürgschaften oder Abtretung von Honorarforderungen.
  1. Leasing vs. Kreditfinanzierung abwägen: Medizintechnik lässt sich oft günstiger leasen als kaufen. Prüfen Sie für jedes Gerät, welche Finanzierungsform steuerlich und liquiditätsseitig vorteilhafter ist.
  1. Mehrere Angebote einholen: Holen Sie mindestens drei Finanzierungsangebote ein und vergleichen Sie Zinssatz, Tilgung, Laufzeit und Nebenkosten.
  1. Absicherung der Finanzierung prüfen: Eine Risikolebensversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollten parallel zur Kreditaufnahme abgeschlossen werden, um Praxis und Familie im Ernstfall zu schützen.
  1. Kontokorrentlinie als Puffer einrichten: Vereinbaren Sie eine ausreichende Kontokorrentlinie für unerwartete Liquiditätsspitzen.

Typische Fehler

  • Anlaufverluste unterschätzen: In den ersten 6–12 Monaten liegen Einnahmen oft deutlich unter Plan – wer keine Reserve einkalkuliert, gerät schnell in Zahlungsschwierigkeiten.
  • Nur eine Bank anfragen: Unterschiedliche Institute bieten teils erheblich abweichende Konditionen; Vergleichen lohnt sich immer.
  • Absicherung vergessen: Wer einen Praxiskredit aufnimmt, ohne BU- oder Risikolebensversicherung zu besitzen, gefährdet im Ernstfall die Existenz der gesamten Familie.

Fazit

Eine solide Praxisfinanzierung ist das Fundament eines erfolgreichen Praxisstarts. Wer diese Checkliste konsequent abarbeitet, geht gut vorbereitet in Bankgespräche und sichert sich die besten Konditionen. Ärzteversichert unterstützt Sie bei der Absicherung Ihrer Finanzierung durch maßgeschneiderte Versicherungslösungen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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