Der Schritt in die Selbstständigkeit als niedergelassener Arzt ist einer der bedeutsamsten Karrierewechsel überhaupt. Neben medizinischer Kompetenz sind betriebswirtschaftliches Verständnis, rechtliches Wissen und organisatorisches Geschick gefragt. Diese Checkliste führt Sie strukturiert durch alle Phasen der Praxisgründung.
Die Checkliste
- Standort und Fachgebiet analysieren: Prüfen Sie, ob Ihr Planungsbereich geöffnet oder gesperrt ist. Analysieren Sie Bevölkerungsstruktur, Wettbewerb und Infrastruktur am Wunschstandort.
- Rechtsform wählen: Entscheiden Sie sich für Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder MVZ. Jede Variante hat unterschiedliche Haftungs-, Steuer- und Vertragsarztrechtliche Konsequenzen.
- Zulassung beantragen: Stellen Sie frühzeitig den Antrag auf Zulassung als Vertragsarzt bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Planen Sie mehrere Monate für das Verfahren ein.
- Praxisräume sichern: Schließen Sie rechtzeitig einen Mietvertrag ab. Achten Sie auf barrierefreie Zugänglichkeit, ausreichende Fläche und Umbaumöglichkeiten.
- Finanzierungsplan erstellen: Ermitteln Sie Ihren Kapitalbedarf und sichern Sie die Finanzierung über Eigenkapital, Bankdarlehen und ggf. Förderprogramme ab.
- Praxis einrichten und ausstatten: Bestellen Sie Inventar, Medizintechnik und IT-Infrastruktur mit ausreichend Vorlauf. Planen Sie Lieferzeiten und Installationsaufwand ein.
- Personal einstellen: Rekrutieren Sie MFA, Sekretariat und ggf. Fachpersonal. Schließen Sie Arbeitsverträge rechtssicher ab und melden Sie Personal bei der Berufsgenossenschaft an.
- Praxissoftware einrichten: Wählen Sie ein zertifiziertes Praxisverwaltungssystem (PVS) aus und schließen Sie den TI-Anschluss (Telematikinfrastruktur) rechtzeitig ab.
- Versicherungen abschließen: Schließen Sie vor der Eröffnung mindestens Berufshaftpflicht, Praxisinhaltsversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Ärzteversichert hilft beim Vergleich.
- Steuerliche Anmeldung vornehmen: Melden Sie die Praxis beim Finanzamt an und klären Sie mit Ihrem Steuerberater die Gewinnermittlungsmethode (EÜR oder Bilanz).
- Praxiseröffnung kommunizieren: Informieren Sie Überweiser, Kollegen und potenzielle Patienten durch Einladungen, Website und Pressemitteilungen über Ihre Eröffnung.
- QM-System implementieren: Niedergelassene Ärzte sind zur Einführung eines Qualitätsmanagementsystems verpflichtet. Planen Sie dies von Beginn an mit ein.
Typische Fehler
- Planungsbereich nicht vorab prüfen: Eine Niederlassung in einem gesperrten Planungsbereich ohne Sonderzulassung ist nicht möglich – klären Sie dies als allererstes.
- Versicherungen zu spät abschließen: Wer am Eröffnungstag noch keine Berufshaftpflicht hat, gefährdet sich rechtlich und finanziell erheblich.
- Personal unterschätzen: Gute MFA sind knapp – beginnen Sie die Personalsuche mindestens sechs Monate vor der geplanten Eröffnung.
Fazit
Eine gut geplante Praxisgründung legt das Fundament für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit. Wer diese Checkliste konsequent abarbeitet, vermeidet teure Fehler und startet gut vorbereitet. Ärzteversichert begleitet Sie bei der Auswahl der richtigen Versicherungen für jeden Schritt der Gründungsphase. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- KBV: Niederlassungsberatung und Zulassungsverfahren
- Bundesärztekammer: Leitfaden für Praxisgründer
- BMF: Steuerliche Anmeldung Freiberufler
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