Die Übernahme einer etablierten Praxis ist oft attraktiver als eine Neugründung: Ein bestehender Patientenstamm, eingespieltes Personal und eine funktionierende Infrastruktur verkürzen den Aufbauaufwand erheblich. Gleichzeitig können versteckte Mängel, Altverbindlichkeiten oder ein überbewerteter Goodwill zur Falle werden. Diese Checkliste hilft Ihnen, alle Risiken systematisch zu prüfen.

Die Checkliste

  1. Praxissuche und erste Analyse: Nutzen Sie KBV-Praxisbörsen, Ärztekammernetzwerke und Vermittler. Prüfen Sie Fachgebiet, Standort, Umsatzstruktur und Planungsbereichsstatus als erstes.
  1. Unabhängige Praxisbewertung beauftragen: Lassen Sie den Praxiswert nach der AWA-Methode durch einen unabhängigen Gutachter ermitteln. Vertrauen Sie nicht allein auf die Selbstauskunft des Verkäufers.
  1. Due Diligence durchführen: Prüfen Sie Bilanzen oder EÜR der letzten drei bis fünf Jahre, Patientenzahlen und Fallzahlen, Mietvertragskonditionen, Personalverträge, laufende Verpflichtungen und offene Verbindlichkeiten.
  1. Technischen Zustand des Inventars prüfen: Lassen Sie Medizingeräte und IT-Infrastruktur durch einen unabhängigen Techniker begutachten. Ältere Geräte verursachen nach Übernahme oft sofortige Investitionsbedarf.
  1. Zulassungssituation klären: Klären Sie mit der KV, wie die Zulassung auf Sie übertragen wird und ob besondere Auflagen (z. B. Standortbindung, Nachbesetzungsverfahren) bestehen.
  1. Mietvertrag prüfen und übernehmen: Analysieren Sie Restlaufzeit, Verlängerungsoptionen, Nebenkosten und etwaige Rückbauverpflichtungen des Mietvertrags.
  1. Personalübernahme nach § 613a BGB planen: Bestehende Arbeitsverhältnisse gehen bei Betriebsübernahme automatisch auf Sie über. Prüfen Sie alle Verträge, Kündigungsschutzregelungen und Gehaltsstrukturen.
  1. Kaufvertrag rechtssicher gestalten: Lassen Sie den Kaufvertrag durch einen auf Arztrecht spezialisierten Anwalt prüfen. Bestehen Sie auf klaren Regelungen zu Gewährleistung, Rückabwicklung und Konkurrenzklauseln.
  1. Übergabezeitraum vereinbaren: Planen Sie eine parallele Einarbeitungsphase von mindestens sechs Monaten. Der Vorgänger sollte Sie schrittweise in den Patientenstamm und die Abläufe einführen.
  1. Versicherungen neu prüfen und abschließen: Stellen Sie sicher, dass alle Versicherungen (Berufshaftpflicht, Inhaltsversicherung) auf Ihre Person und die neue Situation angepasst sind.
  1. Finanzierung frühzeitig sichern: Sprechen Sie gleichzeitig mit dem Bewertungsprozess Banken an. Gut vorbereitete Unterlagen beschleunigen die Kreditentscheidung erheblich.

Typische Fehler

  • Goodwill unkritisch übernehmen: Ein hoher immaterieller Praxiswert ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Patientenstamm tatsächlich loyal und übertragbar ist – prüfen Sie Altersstruktur und Kassenzugehörigkeit kritisch.
  • Altverbindlichkeiten übersehen: Offene Leasingverträge, Kredite oder Lieferantenverbindlichkeiten können nach Übernahme auf Sie übergehen, wenn dies im Vertrag nicht ausgeschlossen ist.
  • Einarbeitungsphase zu kurz planen: Wer zu früh allein startet, verliert Patienten und Personal, die an die Person des Vorgängers gebunden waren.

Fazit

Eine gründlich vorbereitete Praxisübernahme minimiert Risiken und maximiert Chancen. Wer diese Checkliste vollständig abarbeitet, schafft eine sichere Grundlage für den erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit. Ärzteversichert begleitet Sie bei der Absicherung aller relevanten Risiken rund um die Übernahme. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen

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