Der Wechsel vom angestellten Arzt – ob in Klinik oder MVZ – zum selbstständigen Praxisinhaber ist ein grundlegender Lebens- und Karriereschritt. Er bietet mehr Freiheit und Verdienstmöglichkeiten, bringt aber auch unternehmerische Verantwortung mit sich. Eine sorgfältige Übergangsplanung ist entscheidend, um Lücken in Versicherung, Altersvorsorge und Finanzen zu vermeiden.
Die Checkliste
- Kündigungsfristen und Arbeitsvertrag prüfen: Klären Sie Ihre vertraglichen Kündigungsfristen und etwaige Wettbewerbs- oder Konkurrenzklauseln, die Ihre Niederlassung einschränken könnten.
- KV-Zulassung beantragen: Stellen Sie den Antrag auf Zulassung als Vertragsarzt frühzeitig – das Verfahren dauert in der Regel mehrere Monate. In gesperrten Planungsbereichen ist ein Ausschreibungsverfahren notwendig.
- Krankenversicherung umstellen: Als Selbstständiger haben Sie Anspruch auf PKV-Mitgliedschaft. Klären Sie mit Ärzteversichert, welcher Tarif zu Ihrer neuen Situation passt und wie Sie optimal in die PKV wechseln.
- Berufsunfähigkeitsversicherung anpassen: Prüfen Sie, ob Ihre BU-Versicherung die selbstständige Tätigkeit abdeckt. Manche Tarife unterscheiden zwischen angestellter und selbstständiger Tätigkeit.
- Berufshaftpflicht für Niedergelassene abschließen: Als Praxisinhaber benötigen Sie eine auf die selbstständige Tätigkeit zugeschnittene Berufshaftpflicht – die Klinikdeckung erlischt mit dem Ende des Anstellungsverhältnisses.
- Versorgungswerk-Status prüfen: Prüfen Sie, ob und wie sich Ihre Versorgungswerk-Mitgliedschaft durch die Selbstständigkeit ändert. In vielen Kammern sind auch angestellte Ärzte Versorgungswerksmitglieder – als Selbstständige ergeben sich jedoch andere Beitragsmöglichkeiten.
- Finanzierung sicherstellen: Klären Sie Ihre Praxisfinanzierung vor dem Übergang. Banken sehen angestellte Ärzte als kreditwürdiger als frisch niedergelassene – nutzen Sie diesen Status für die Finanzierung.
- Praxiskonzept und Businessplan erstellen: Entwickeln Sie ein klares Konzept für Ihre Praxis – Fachgebiet, Standort, Schwerpunkte, Patientenzielgruppe und Marketingstrategie.
- Steuerberater wechseln oder informieren: Ein auf Freiberufler und Ärzte spezialisierter Steuerberater ist jetzt unverzichtbar. Klären Sie Ihre Steuerpflichten als Selbstständiger und die Gewinnermittlungsmethode.
- Übergangsphase finanziell absichern: In den ersten Monaten nach der Eröffnung können Einnahmen geringer als geplant sein. Halten Sie eine Liquiditätsreserve von mindestens 3–6 Monaten Betriebskosten vor.
Typische Fehler
- Versicherungsschutz in der Übergangsphase vergessen: Zwischen Kündigung des Anstellungsverhältnisses und Praxiseröffnung können Versicherungslücken entstehen – planen Sie den lückenlosen Übergang.
- Wettbewerbsklauseln im alten Arbeitsvertrag ignorieren: Räumliche oder zeitliche Konkurrenzverbote können die Standortwahl erheblich einschränken.
- Praxisstart ohne ausreichende Liquiditätsreserve: Viele Ärzte unterschätzen den finanziellen Anlaufbedarf in den ersten Monaten nach Praxisöffnung.
Fazit
Der Übergang zum Praxisinhaber ist eine der spannendsten beruflichen Entscheidungen im Arztleben. Mit einer strukturierten Vorbereitung gelingt er sicher und ohne böse Überraschungen. Ärzteversichert begleitet Sie mit einem umfassenden Versicherungscheck für alle Phasen der Selbstständigkeit. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen
- KBV: Zulassung und Niederlassung als Vertragsarzt
- Bundesärztekammer: Berufsrecht und Selbstständigkeit
- PKV-Verband: PKV-Einstieg und Tarifwahl für Selbstständige
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