Die Gründung einer eigenen Arztpraxis ist eine der größten Investitionsentscheidungen im Ärztleben. Ob Neugründung, Praxisübernahme oder Einstieg in eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG): Die Kosten variieren je nach Fachgebiet, Standort und Praxisgröße erheblich. Stand: April 2026 zeigen aktuelle KBV-Daten und Bankbefragungen, dass die Gesamtkosten durch Preissteigerungen bei medizintechnischen Geräten und gestiegene Mieten in den letzten Jahren weiter zugenommen haben.
Praxisgründungskosten 2026 nach Gründungsart
| Gründungsart | Durchschnittliche Gesamtkosten | Bandbreite | Quelle |
|---|---|---|---|
| Neugründung (Einzelpraxis) | ca. 220.000 € | 150.000–400.000 € | KBV-Praxisbefragung 2025, apoBank |
| Praxisübernahme (komplette Praxis) | ca. 180.000 € | 100.000–350.000 € | apoBank Existenzgründungsanalyse 2025 |
| Einstieg in BAG (Anteilskauf) | ca. 120.000 € | 60.000–250.000 € | KBV-Befragung, Schätzung |
| Übernahme Kassenarztsitz (Sonderzahlung) | ca. 60.000–200.000 € | je nach Region | KBV Bedarfsplanung 2025 |
Kostenstruktur Neugründung Einzelpraxis (Durchschnitt)
| Kostenposition | Betrag (Richtwert) | Anteil |
|---|---|---|
| Medizintechnik und Geräte | ca. 80.000 € | ca. 36 % |
| Praxisausbau/Umbau und Einrichtung | ca. 50.000 € | ca. 23 % |
| EDV, Software, TI-Anbindung | ca. 20.000 € | ca. 9 % |
| Kassenarztsitz-/Konzessionskosten | ca. 30.000 € | ca. 14 % |
| Anlauffinanzierung (Betriebsmittel) | ca. 30.000 € | ca. 14 % |
| Beratungs-/Notar-/Zulassungskosten | ca. 10.000 € | ca. 4 % |
| Gesamt | ca. 220.000 € | 100 % |
Quelle: KBV Praxisbefragung 2025, apoBank Existenzgründungsanalyse 2025.
Gründungskosten nach Fachgebiet (Neugründung)
| Fachgebiet | Typische Gesamtinvestition |
|---|---|
| Allgemeinmedizin | 120.000–180.000 € |
| Innere Medizin | 150.000–220.000 € |
| Chirurgie/Orthopädie | 200.000–350.000 € |
| Radiologie | 600.000–1.500.000 € (Gerätekosten dominant) |
| Augenheilkunde | 180.000–300.000 € |
| Zahnmedizin | 200.000–400.000 € |
Einordnung
Praxisgründungen werden überwiegend über Bankdarlehen finanziert; Eigenkapitalquoten von 20–30 % gelten als empfehlenswert. Wichtig für die Absicherung: Bereits vor der Eröffnung sollten Berufshaftpflicht, Praxisinhaltsversicherung und Praxisausfallversicherung bestehen. Besonders in der Anlaufphase, wenn das Einkommen noch niedrig ist, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung existenziell.
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Methodik / Datengrundlage
Die Kostendaten beruhen auf der KBV-Praxisbefragung (2025), der Existenzgründungsanalyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank, 2025) sowie eigenen Schätzungen auf Basis von Marktpreisen für medizintechnische Geräte und Praxiseinrichtungen.
In der Beratungspraxis von Ärzteversichert zeigt sich, dass bei Praxisgründungen die Versicherungskosten häufig nicht in die Finanzierungsplanung einbezogen werden, obwohl allein Berufshaftpflicht, Inhaltsversicherung und BU zusammen schnell 4.000–8.000 € jährlich ausmachen können.
Quellen und weiterführende Informationen
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