Selektivverträge nach §§ 73b (Hausarztvertrag), 73c (Facharztzentren) und 140a SGB V (integrierte Versorgung) ermöglichen Krankenkassen, direkt mit Ärzten oder Praxisnetzen Zusatzvergütungen zu vereinbaren, die über die Kollektivvergütung der KV hinausgehen. Stand: April 2026.
Selektivverträge: Vergütungsaufschläge nach KV-Bezirk 2026
| KV-Bezirk | Hausarztvertrag (§ 73b) vorhanden | Vergütungsaufschlag (ca.) | Fachgruppen mit Verträgen |
|---|---|---|---|
| Bayern (AOK Bayern) | ja (HAUSARZT-PLUS) | 8–15 % über KV | Allgemeinmedizin, Innere Medizin |
| Baden-Württemberg (AOK, MEDI) | ja (Medi-Verbundvertrag) | 10–18 % | Allgemeinmedizin, diverse Fachärzte |
| Nordrhein (AOK Rheinland) | ja | 5–10 % | Allgemeinmedizin |
| Westfalen-Lippe | ja | 5–10 % | Allgemeinmedizin |
| Hessen | ja (HZV-Vertrag) | 6–12 % | Allgemeinmedizin |
| Berlin | ja (KV-übergreifend) | 5–8 % | Allgemeinmedizin |
| Hamburg | ja | 5–8 % | Allgemeinmedizin |
| Sachsen | begrenzt | 3–7 % | Allgemeinmedizin |
Quelle: KBV-Selektivvertragsübersicht, GKV-Spitzenverband-Berichte, Angaben der KVen und Kassenverbände, Stand 2025/2026. Tatsächliche Vergütungshöhe abhängig von Einschreibepflichten und Qualitätsanforderungen des jeweiligen Vertrags.
Typische Vergütungskomponenten in Hausarztverträgen
| Komponente | Betrag (ca.) |
|---|---|
| Einschreibepauschale je Patient und Jahr | 40–80 € |
| Chroniker-Zuschlag (DMP-ähnlich) | 15–40 € pro Patient/Quartal |
| Koordinationspauschale (Überweisung) | 3–8 € pro Überweisung |
| Qualitätsprämienzahlung (Zielerreichung) | 5.000–20.000 € p. a. |
| EDV- und Dokumentationspauschale | 500–2.000 € p. a. |
Einordnung
Hausarztverträge nach § 73b SGB V sind für niedergelassene Hausärzte besonders attraktiv, weil sie verlässliche Zusatzeinnahmen über die KV-Budgetierung hinaus sichern. Die Einschreibequoten der Patienten entscheiden über das tatsächliche Volumen. In Baden-Württemberg und Bayern, wo die Selektivvertragslandschaft am dichtesten ist, können Hausärzte durch Selektivverträge 10.000–40.000 Euro Mehrhonorar pro Jahr erzielen.
Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Methodik / Datengrundlage
Daten basieren auf veröffentlichten KBV-Selektivvertragsübersichten, GKV-Spitzenverband-Berichten sowie auf Pressemitteilungen der Kassenärztlichen Vereinigungen zu abgeschlossenen Verträgen. Vergütungsdetails einzelner Verträge sind teilweise nicht öffentlich zugänglich.
In der Beratungspraxis von Ärzteversichert zeigt sich, dass viele Hausärzte das finanzielle Potenzial von Selektivverträgen unterschätzen und keinen systematischen Überblick über die in ihrem KV-Bezirk verfügbaren Verträge haben.
Quellen und weiterführende Informationen
Persönliche Beratung zu diesem Thema?
Kostenfreie Erstberatung anfragen →