Internisten versorgen überproportional viele ältere und multimorbide Patienten mit Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Diabetes, COPD oder Niereninsuffizienz. Diese Patienten kommen häufig mit Rollator, Gehstock oder Rollstuhl in die Praxis und haben lange Wartezeiten zu überbrücken. Barrierefreiheit bedeutet für internistische Praxen deshalb nicht nur zugängliche Eingänge, sondern auch komfortable, langzeitstabile Sitzgelegenheiten und Untersuchungsinfrastruktur.
Das Wichtigste in Kürze
- Multimorbide Patienten haben lange Praxisaufenthalte; der Wartebereich muss ergonomisch und barrierefrei sein
- EKG-Liegen, Ergometrie-Fahrräder und Sonographiegeräte müssen für mobilitätseingeschränkte Patienten zugänglich sein
- Infusionstherapien erfordern barrierefreie Behandlungsräume mit ausreichend Manövrierfläche
Barrierefreiheit speziell für Internisten
Internistische Praxen mit Schwerpunkten in der Kardiologie, Gastroenterologie oder Onkologie haben eine besondere Ausstattungsdichte: EKG-Geräte, Ergometer, Langzeit-EKG-Empfänger, Endoskopie-Einheiten. All diese Geräte müssen für Patienten mit eingeschränkter Mobilität bedienbar und zugänglich sein. Besonders kritisch: Das Ergometer-Fahrrad für Belastungs-EKGs ist für Patienten mit Beinprothesen oder schwerer Arthrose nicht nutzbar; die Praxis braucht eine alternative Belastungsuntersuchung als Fallback.
Infusionsräume für Eiseninfusionen, Chemotherapiebegleittherapien oder Bisphosphonat-Gaben müssen ausreichend dimensioniert sein: Liegestühle mit Fußteil, Rollstuhlstellfläche und Ruf- oder Klingelanlage für den Patienten im Liegen.
Worauf Internisten besonders achten sollten
Der Wartebereich ist bei Internisten besonders lange genutzt; Stühle sollten erhöhte Sitzhöhe (50 bis 55 cm) und Armlehnen haben, damit ältere Patienten selbstständig aufstehen können. Die Toilette muss in der Nähe des Wartebereichs barrierefrei erreichbar sein; für COPD-Patienten und Herzinsuffizienz-Patienten ist jeder unnötige Weg eine Belastung. Ärzteversichert empfiehlt, bei der Einrichtungsversicherung die Ausstattungskosten für barrierefreie Möbel und Geräte gesondert zu erfassen.
Typische Fehler bei Internisten
Ein häufiger Fehler sind zu niedrige Wartestühle ohne Armlehnen; ältere Patienten benötigen Aufstehhilfen und stürzen häufig beim Aufstehen von zu niedrigen Stühlen. Ein zweiter Fehler ist der Verzicht auf einen gesonderten Ruheraum nach Belastungsuntersuchungen; dort können Komplikationen auftreten, die ohne barrierefreie Infrastruktur schlechter beherrschbar sind. Dritter Fehler: Das Infusionszimmer hat keine Klingelanlage, sodass Patienten mit Komplikationen nicht rechtzeitig Hilfe rufen können.
Fazit
Internisten versorgen die Patienten mit dem höchsten Barrierefreiheitsbedarf; eine durchdachte Praxisgestaltung schützt diese vulnerablen Gruppen und verbessert die Versorgungsqualität nachhaltig. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung
- Bundesministerium für Gesundheit
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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