Notfallmediziner arbeiten unter extremem Zeitdruck und mit unvollständiger Information. Diese Bedingungen erschweren sowohl die medizinische Entscheidungsfindung als auch die nachträgliche Bewertung des Handelns im Haftungsfall. Gerichte haben anerkannt, dass im Notfall ein anderer Sorgfaltsmaßstab gilt; dennoch ist die Haftungsexposition von Notfallmedizinern erheblich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Triagefehler, die zu einer Unterprioritisierung schwerkranker Patienten führen, sind ein zentrales Haftungsfeld in Notaufnahmen
  • Reanimationsfehler und zu späte Abbruchentscheidungen können Haftungsansprüche von Angehörigen begründen
  • Die Dokumentation unter Notfallbedingungen ist schwierig, aber essenziell für den Haftungsfall

Behandlungsfehler-Haftung speziell für Notfallmediziner

In Notaufnahmen ist das Manchester Triage System (MTS) oder ein vergleichbares Triagesystem Standard. Wenn ein Patient, der mit "grün" triagiert wurde, während der Wartezeit einen Herzstillstand erleidet, stellt sich die Frage, ob die Triage korrekt war. Triagefehler sind schwer zu beweisen, weil sie oft auf unvollständiger Information beruhen; dennoch muss die Triageentscheidung dokumentiert sein.

Im Rettungsdienst ist die Haftung des Notarztes für prähospitale Entscheidungen ein besonderes Thema: Wenn ein Notarzt entscheidet, einen Patienten nicht zu intubieren, und der Patient stirbt, kann diese Entscheidung im Nachhinein angefochten werden. Der Notarzt muss seine Entscheidung im Einsatzprotokoll begründen.

Worauf Notfallmediziner besonders achten sollten

Notfallmediziner sollten sicherstellen, dass ihre Berufshaftpflicht sowohl die klinische Notaufnahmetätigkeit als auch den Rettungsdiensteinsatz umfasst; viele niedergelassene Notfallmediziner oder Belegärzte haben Lücken im Deckungsumfang. Ärzteversichert empfiehlt, explizit Rettungsdiensteinsätze und stationäre Notaufnahme in der Police zu benennen.

Typische Fehler bei Notfallmedizinern

Ein häufiger Fehler ist die nachträgliche Dokumentation; die Dokumentation eines Notfalleinsatzes im Nachhinein gilt juristisch als weniger verlässlich als eine zeitnahe Dokumentation. Ein zweiter Fehler ist die Unterschätzung des Haftungsrisikos im Rettungsdienst; viele Notärzte gehen davon aus, dass im Notfall keine Haftung entsteht, was nicht korrekt ist. Dritter Fehler: fehlender Versicherungsschutz für Leitender Notarzt-Funktionen oder Katastrophenschutzeinsätze.

Fazit

Notfallmediziner müssen trotz der schwierigen Einsatzbedingungen eine lückenlose Dokumentation anstreben und ihre Berufshaftpflicht auf alle Tätigkeitsbereiche inklusive Rettungsdienst prüfen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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