Chirurgen sind als operative Fachärzte mit den schwerwiegendsten Beschwerdekonstellationen konfrontiert: Postoperative Komplikationen, Infektionen, Narbenbildung oder Organverletzungen können unmittelbar zu Haftungsansprüchen führen, wenn der Patient das Gefühl hat, nicht ausreichend informiert worden zu sein. Ein strukturiertes Beschwerdemanagement ist daher für Chirurgen besonders wichtig und beginnt lange vor dem eigentlichen Eingriff.
Das Wichtigste in Kürze
- Chirurgen erhalten Beschwerden besonders häufig nach Komplikationen, die in der präoperativen Aufklärung zwar erwähnt, aber vom Patienten nicht ausreichend verinnerlicht wurden.
- Proaktive Kommunikation bei postoperativen Problemen senkt das Eskalationsrisiko erheblich; Chirurgen, die Komplikationen selbst ansprechen, werden seltener verklagt als jene, die auf die Initiative des Patienten warten.
- Im Klinikbetrieb müssen Beschwerden über chirurgische Eingriffe vom Risk-Management des Krankenhauses koordiniert werden.
Beschwerdemanagement speziell für Chirurgen
Beschwerden im chirurgischen Bereich entstehen häufig nicht aus einem tatsächlichen Fehler, sondern aus einem Kommunikationsversagen: Wenn ein Patient über ein mögliches Risiko aufgeklärt wurde, es aber nach Eintritt des Risikos das Gefühl hat, es sei zu wenig betont worden, entsteht Unzufriedenheit und das Risiko einer Klage. Chirurgen sollten daher bei der Aufklärung nicht nur vollständig, sondern auch verständlich kommunizieren und das Risikoprofil in verständlichen Zahlen darstellen (z.B. "In 3 von 100 Fällen dieser Operation tritt eine Wundinfektion auf").
Wenn es trotz korrekter Behandlung zu einer Komplikation kommt, sollte der Chirurg das Gespräch mit dem Patienten suchen und die Situation erklären, bevor der Patient oder seine Angehörigen nach einer Erklärung fragen. Ärzteversichert empfiehlt Chirurgen, bei allen Beschwerden, die einen möglichen Haftungsanspruch implizieren, sofort den Berufshaftpflichtversicherer zu kontaktieren und keine einseitigen Zugeständnisse zu machen, bevor die juristische Lage geklärt ist.
Worauf Chirurgen besonders achten sollten
Chirurgen sollten postoperative Visite-Protokolle führen, die Patientenfeedback systematisch erfassen; insbesondere bei elektiven Eingriffen ermöglicht dies eine frühzeitige Identifikation von Unzufriedenheit. Beschwerden über postoperative Schmerzen oder verzögerte Heilung sollten ernst genommen und mit einer erneuten Untersuchung beantwortet werden.
Typische Fehler bei Chirurgen
Ein häufiger Fehler ist es, auf Beschwerden nach Operationen defensiv zu reagieren und Fehler reflexartig zu bestreiten; das erhöht die Bereitschaft des Patienten, rechtliche Schritte einzuleiten. Ein zweiter Fehler liegt darin, bei bekannten Komplikationen die Initiative dem Patienten zu überlassen. Drittens dokumentieren Chirurgen Beschwerden und deren Bearbeitung oft nicht ausreichend, was im Haftungsfall nachteilig ist.
Fazit
Beschwerdemanagement im chirurgischen Bereich bedeutet: offene Kommunikation bei Komplikationen, strukturierte Dokumentation und frühzeitige Einbindung des Berufshaftpflichtversicherers; wer diese Grundsätze lebt, vermindert sein rechtliches Risiko erheblich. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – Fehlermeldesysteme und Qualitätsmanagement
- GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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