Onkologische Praxen sind auf die kontinuierliche Versorgung von Krebspatienten ausgerichtet, für die eine Unterbrechung der Chemotherapie oder Immuntherapie lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann. Ein Praxisausfall durch Sachschäden stellt daher nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein medizinisches Notfallszenario dar, das umfassende Vorbereitung und Versicherungsschutz erfordert.
Das Wichtigste in Kürze
- Onkologische Praxen mit Infusionszentrum und Zytostatika-Apotheke haben spezifische Risiken durch Kühlsystemausfälle, die teure Medikamentenvorräte vernichten können.
- Zytostatika-Zubereitungen (häufig 500 bis 2.000 EUR pro Zubereitung) werden tagesaktuell hergestellt; ein Ausfall der Reinraum-Infrastruktur unterbricht die gesamte Therapieversorgung.
- Chemotherapiepatienten können bei Praxisausfall nicht einfach auf nächste Woche vertröstet werden; Mehrkosten für die sofortige Überleitung in andere Einrichtungen müssen versichert sein.
Betriebsunterbrechung speziell für Onkologen
Niedergelassene Onkologen mit eigenem Infusionszentrum erzielen Jahresumsätze von 1 bis 5 Millionen EUR; diese hohen Umsätze resultieren aus kostspieligen onkologischen Medikamenten, die in der Praxis verabreicht werden (Biologika, Checkpoint-Inhibitoren). Fällt das Infusionszentrum durch einen Sachschaden für 4 Wochen aus, entfallen Einnahmen von 80.000 bis 400.000 EUR, gleichzeitig laufen Personalkosten für Chemotherapie-Schwestern und Apothekenpersonal weiter.
Die Betriebsunterbrechungsversicherung muss für onkologische Praxen besonders hohe Versicherungssummen abdecken und eine Klausel für Mehrkosten der Patientenverlegung enthalten. Hinzu kommt das Risiko des Verlusts von Zytostatika-Vorräten durch einen Kühl- oder Reinraumausfall: Monoklonale Antikörper und Zytostatika-Zubereitungen mit einem Tageswert von 20.000 bis 50.000 EUR können bei Temperaturschwankungen vernichtet werden.
Worauf Onkologen besonders achten sollten
Onkologen sollten die Betriebsunterbrechungsversicherung mit einer Verderbnis-Klausel für Arzneimittel und einer Reinraum-Elektronikversicherung kombinieren. Ärzteversichert prüft für onkologische Praxen, ob alle sensitiven Infrastrukturen (Kühlkette, Reinraum, Infusionspumpen, IT-Systeme für Therapiedokumentation) versichert sind und ob Kosten für die Notversorgung von Chemotherapiepatienten in der Betriebsunterbrechungsversicherung enthalten sind.
Typische Fehler bei Onkologen
Onkologen unterschätzen häufig die Sensibilität ihrer Reinraum-Infrastruktur; bereits ein mehrstündiger Stromausfall kann zur Dekontaminierung und Neuzertifizierung des gesamten Reinraums führen, was 4 bis 8 Wochen in Anspruch nimmt. Ein zweiter Fehler ist das Fehlen einer Klausel für die Entsorgungskosten von Zytostatika nach einem Sachschaden; diese sind teuer und unterliegen spezifischen Sonderabfallvorschriften. Drittens unterschätzen Onkologen die Haftungsrisiken bei Therapieverzögerungen, die separat abgesichert sein sollten.
Fazit
Onkologische Praxen mit Infusionszentrum und Zytostatika-Infrastruktur benötigen eine umfassende, auf ihre spezifischen Betriebsrisiken abgestimmte Betriebsunterbrechungsversicherung mit hoher Deckungssumme und spezifischen Klauseln für Arzneimittelverluste. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Onkologische Praxen
- Bundesministerium für Gesundheit
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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