HNO-Praxen und -Kliniken betreiben eine Vielzahl von vernetzten diagnostischen Geräten: Audiologiemessplätze, Videoendoskopie-Systeme, Impedanzaudiometrie und digitale Hörgeräteanpassungssoftware kommunizieren in einem gemeinsamen Praxisnetzwerk. Die Vernetzung dieser Spezialgeräte mit dem Praxisverwaltungssystem schafft Angriffsflächen, die typischerweise von HNO-Ärzten nicht als IT-Sicherheitsrisiko wahrgenommen werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Audiologische Messsysteme und Videoendoskopie-Plattformen nutzen häufig Windows-Betriebssysteme in veralteten Versionen, für die keine Sicherheitsupdates mehr verfügbar sind; diese End-of-Life-Systeme sind ein bevorzugtes Angriffsziel.
  • HNO-Praxen mit Hörgeräteversorgung und Implantatchirurgie verarbeiten neben Gesundheitsdaten auch Abrechnungsdaten mit Krankenkassen; ein Datenleck betrifft gleichzeitig medizinische und finanzielle Patientendaten.
  • Die Cyberversicherung muss für HNO-Praxen auch den Ausfall von Spezialgeräten durch einen IT-Angriff abdecken; Audiologiemessplätze mit einem Anschaffungswert von 20.000 bis 80.000 Euro können durch Ransomware auf den Messcomputern funktionsunfähig werden.

Cybersicherheit speziell für HNO-Ärzte

HNO-Praxen haben ein spezifisches IT-Sicherheitsprofil durch die Kombination aus Praxissoftware und Spezialgeräten, die über proprietäre Software gesteuert werden. Hersteller von Audiologiemessgeräten und Videoendoskopiesystemen bieten häufig keine regelmäßigen Sicherheitsupdates für die auf den Geräten laufende Software an; wenn die Geräte mit dem Praxisnetzwerk verbunden sind, können Schwachstellen in dieser Software als Eintrittspunkt für Angreifer genutzt werden.

Eine besondere Risikosituation besteht in HNO-Praxen mit cochleären Implantaten und Implantationschirurgie: Diese Praxen verwalten Langzeitdaten von Implantatpatienten, die über Jahrzehnte nachbetreut werden müssen. Ein Datenverlust durch einen Ransomware-Angriff kann die gesamte Implantationshistorie eines Patienten vernichten und die Nachsorge gefährden. Ärzteversichert empfiehlt HNO-Ärzten mit Implantatchirurgie, ein externes Backup-System zu betreiben, das Patientendaten täglich gesichert und verschlüsselt außerhalb der Praxis speichert.

Worauf HNO-Ärzte besonders achten sollten

HNO-Ärzte sollten sicherstellen, dass alle Spezialgeräte, die mit dem Praxisnetzwerk verbunden sind, in einem separaten VLAN betrieben werden, das keinen direkten Internetzugang hat. Firmware-Updates für Audiologiegeräte und Endoskopiesysteme sollten regelmäßig beim Hersteller angefragt und eingespielt werden. Ärzteversichert empfiehlt außerdem, die Hörgeräte-Anpassungssoftware, die Patientendaten von Hörgerätepatienten verwaltet, auf einem dedizierten System zu betreiben, das nicht für allgemeine Internet-Aktivitäten genutzt wird.

Typische Fehler bei HNO-Ärzten

Ein häufiger Fehler ist die direkte Verbindung von Audiologiemessgeräten mit dem Praxisnetzwerk ohne Netzwerksegmentierung; diese Geräte nutzen häufig SMB-Freigaben für den Datentransfer, die ein klassisches Ransomware-Ausbreitungsszenario ermöglichen. Versicherungstechnisch unterschätzen viele HNO-Ärzte den Betriebsunterbrechungsschaden, der entsteht, wenn Audiologiemessplätze durch einen IT-Angriff für mehrere Tage ausfallen und Neupatienten abgesagt werden müssen.

Fazit

HNO-Ärzte müssen ihre vernetzten Spezialgeräte als Teil ihrer IT-Sicherheitsstrategie verstehen und die besonderen Risiken durch End-of-Life-Software auf medizinischen Geräten aktiv managen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Persönliche Beratung zu diesem Thema?

Kostenfreie Erstberatung anfragen →