Unfallchirurgische Abteilungen arbeiten im 24/7-Betrieb mit zeitkritischen Entscheidungen; OP-Planungssysteme, PACS für intraoperative Bildgebung, Navigationsysteme und digitale Traumadokumentation sind unverzichtbar für die Versorgungsqualität. Ein Cyberangriff, der diese Systeme zu einem ungünstigen Zeitpunkt lahmlegt, kann die Traumaversorgung gefährden.
Das Wichtigste in Kürze
- Traumazentren nach DGU-Klassifikation müssen im Rahmen ihrer Zertifizierung Notfallpläne für den Ausfall zentraler IT-Systeme vorhalten; ein dokumentierter IT-Notfallplan ist eine Zertifizierungsanforderung.
- Intraoperative Bildgebungssysteme wie C-Bogen-Röntgen sind über das OP-Netzwerk vernetzt und nutzen häufig ältere Windows-Versionen; diese Systeme werden selten gepatcht und sind bevorzugte Ransomware-Ziele.
- Unfallchirurgische Implantationsregister mit Chargennummern und Implantationsdaten sind für Rückverfolgbarkeit bei Rückrufen gesetzlich vorgeschrieben; ein Datenverlust dieser Register kann behördliche Konsequenzen haben.
Cybersicherheit speziell für Unfallchirurgen
Unfallchirurgische Abteilungen sind aufgrund des 24/7-Betriebs in der Nacht und am Wochenende besonders anfällig für Cyberangriffe: Angreifer wählen Angriffszeitpunkte gezielt in der Nacht aus, wenn die IT-Überwachung eingeschränkt ist und wenige Mitarbeiter reagieren können. Ein Ransomware-Angriff, der um 3 Uhr morgens gestartet wird und bis 6 Uhr alle OP-Planungssysteme verschlüsselt hat, trifft die morgendliche OP-Planung ohne Vorwarnzeit.
Die Vernetzung von Navigationssystemen für unfallchirurgische Eingriffe wie CAS-Navigation für Hüftprothesen oder roboterassistierte Eingriffe mit dem OP-Netzwerk schafft Angriffsflächen, die typischerweise nicht regelmäßig auf Sicherheitslücken überprüft werden. Ärzteversichert empfiehlt leitenden Unfallchirurgen, gemeinsam mit der Krankenhausleitung einen IT-Sicherheitsplan zu erstellen, der speziell die Hochverfügbarkeitsanforderungen der unfallchirurgischen Versorgung berücksichtigt.
Worauf Unfallchirurgen besonders achten sollten
Unfallchirurgen sollten sicherstellen, dass das OP-Planungssystem und die intraoperativen Bildgebungssysteme in einem separaten Netzwerksegment betrieben werden, das bei einem Ransomware-Angriff auf das allgemeine Krankenhausnetz isoliert werden kann. Der analoge Notfallbetrieb für OP-Planung und intraoperative Dokumentation muss regelmäßig geübt werden. Ärzteversichert empfiehlt außerdem, das Implantationsregister täglich auf einem physisch getrennten System zu sichern.
Typische Fehler bei Unfallchirurgen
Ein häufiger Fehler ist das Fehlen eines getesteten analogen Notfallbetriebs-Konzepts für die OP-Planung; viele unfallchirurgische Abteilungen haben seit der vollständigen Digitalisierung keine analogen Dokumentationsformulare mehr vorrätig. Versicherungstechnisch ist der Schaden, der durch den Ausfall eines Traumazentrums und die Umleitung von Notfallpatienten entsteht, in vielen Betriebsunterbrechungsversicherungen nicht ausreichend bewertet.
Fazit
Unfallchirurgen müssen die besonderen Hochverfügbarkeitsanforderungen der Traumaversorgung in ihre IT-Sicherheitsstrategie integrieren und durch regelmäßige Notfallübungen und eine Cyberversicherung mit ausreichender Betriebsunterbrechungsdeckung absichern. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – Digitalisierung in der Medizin
- GDV – Cyberversicherung für Krankenhäuser
- BaFin – Versicherungsregulierung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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