Arbeitsmediziner stehen in einem besonderen Verhältnis zu Disease-Management-Programmen: Sie sind nicht als koordinierende Ärzte in den gesetzlichen DMP vorgesehen, treffen aber täglich auf DMP-relevante Erkrankungen bei der Eignungsbeurteilung von Arbeitnehmern. Die Schnittstelle zwischen betriebsärztlicher Beurteilung und DMP-Versorgung ist für Arbeitsmediziner ein wichtiges Praxisthema.
Das Wichtigste in Kürze
- Arbeitsmediziner sind keine DMP-Koordinationsärzte: Betriebsärzte können keine DMP-Patienten einschreiben und erhalten keine DMP-spezifischen Vergütungen.
- DMP-Status bei Eignungsuntersuchungen berücksichtigen: Arbeitnehmer in einem DMP haben dokumentierte Krankheitsverläufe, die für Eignungsbeurteilungen relevant sein können.
- Schnittstelle zur Hausarztpraxis aktiv gestalten: Arbeitsmediziner, die DMP-relevante Befunde erheben, sollten den Arbeitnehmer zur Einschreibung in ein DMP motivieren.
DMP-Programme speziell für Arbeitsmediziner
Arbeitsmediziner sind nach der gesetzlichen Systematik nicht als DMP-Koordinationsärzte vorgesehen; diese Rolle liegt bei niedergelassenen Haus- und Fachärzten. Dennoch sind Disease-Management-Programme für Arbeitsmediziner praktisch relevant: Bei Eignungsuntersuchungen stellen Betriebsärzte regelmäßig fest, dass Arbeitnehmer an chronischen Erkrankungen leiden, die DMP-fähig sind (Typ-2-Diabetes, KHK, COPD), ohne bislang in ein DMP eingeschrieben zu sein.
In diesem Fall kann der Betriebsarzt eine wichtige Lotsenfunktion übernehmen: Indem er den Arbeitnehmer auf die Möglichkeit der DMP-Einschreibung hinweist und die Kommunikation mit dem Hausarzt fördert, trägt er zur optimierten Versorgung bei. Diese Lotsenrolle ist nicht vergütungspflichtig, kann aber durch Kooperationsvereinbarungen mit Hausarztpraxen formalisiert werden.
Worauf Arbeitsmediziner besonders achten sollten
Arbeitsmediziner sollten bei Eignungsuntersuchungen systematisch prüfen, ob relevante chronische Erkrankungen vorliegen, die eine DMP-Einschreibung rechtfertigen würden, und den Arbeitnehmer entsprechend beraten. Diese Beratung sollte in der Dokumentation festgehalten werden. Ärzteversichert empfiehlt Arbeitsmedizinern, die DMP-Lotsenfunktion als Teil eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagements zu verstehen, das sowohl dem Arbeitnehmer als auch dem Unternehmen dient.
Für Unternehmen mit eigenem betrieblichen Gesundheitsmanagement können DMP-Einschreibungsraten als Qualitätskennzahl genutzt werden, um die Wirksamkeit der betriebsärztlichen Betreuung zu belegen.
Typische Fehler bei Arbeitsmedizinern
Ein häufiger Fehler ist die fehlende Thematisierung von DMP-Möglichkeiten bei Eignungsuntersuchungen; viele Arbeitnehmer wissen nicht, dass sie Anspruch auf strukturierte Betreuungsprogramme haben. Ein zweiter Fehler ist die unzureichende Dokumentation der Lotsenfunktion; ohne Dokumentation kann der Betriebsarzt im Nachhinein nicht nachweisen, dass er seiner Beratungspflicht nachgekommen ist. Schließlich fehlt häufig eine systematische Rückkopplung zwischen Betriebsarzt und Hausarzt über den DMP-Status eingeschriebener Arbeitnehmer.
Fazit
Arbeitsmediziner können zwar keine DMP-Koordinationsärzte sein, aber eine wichtige Lotsenfunktion bei der Identifikation DMP-fähiger Arbeitnehmer und der Motivation zur Einschreibung übernehmen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung – DMP
- GKV-Spitzenverband – Disease-Management-Programme
- BMAS – Bundesministerium für Arbeit und Soziales
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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