Chirurgen sind in den gesetzlichen Disease-Management-Programmen in der Regel nicht als koordinierende oder mitbehandelnde Ärzte vorgesehen. Dennoch ist die DMP-Relevanz für Chirurgen praktisch bedeutsam: DMP-Patienten (insbesondere Diabetiker) stellen spezifische präoperative und postoperative Anforderungen, die Chirurgen kennen müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chirurgen sind keine DMP-Koordinationsärzte: Die klassischen DMP sind auf konservativ tätige Ärzte ausgerichtet; Chirurgen nehmen in der Regel keine DMP-Koordinationsrolle ein.
  • DMP-Diabetes-Status präoperativ abfragen: Diabetiker im DMP haben dokumentierte HbA1c-Werte und Therapiepläne, die für die präoperative Risikoabschätzung relevant sind.
  • KHK-Patienten im DMP bei Herzoperationen: Beim elektiven kardiochirurgischen Eingriff sollte der aktuelle KHK-DMP-Status bekannt sein.

DMP-Programme speziell für Chirurgen

Chirurgen begegnen DMP-Patienten regelmäßig im präoperativen Kontext: Diabetiker, die für einen elektiven Eingriff vorgesehen sind, haben im DMP Typ-2-Diabetes dokumentierte Werte für HbA1c, Blutdruck und renale Funktion. Diese Werte sind für die präoperative Risikoabschätzung unmittelbar relevant: Ein HbA1c über 8% erhöht das perioperative Infektionsrisiko erheblich und kann Indikation für eine Verschiebung des Eingriffs sein.

Chirurgen, die planbaren Eingriffe bei DMP-Patienten durchführen, sollten die DMP-Dokumentation des Hausarztes als präoperative Information aktiv anfordern und in das chirurgische Aufklärungsgespräch einbeziehen. Dies verbessert nicht nur die Patientensicherheit, sondern schützt den Chirurgen auch vor Haftungsansprüchen, die aus einer unzureichenden präoperativen Risikoerfassung entstehen könnten.

Worauf Chirurgen besonders achten sollten

Chirurgen sollten bei der präoperativen Anamnese systematisch nach DMP-Einschreibungen fragen und die relevanten Verlaufsparameter anfordern. Für elektive Eingriffe bei DMP-Diabetikern sollte ein HbA1c-Wert aus den letzten sechs Wochen vorliegen; bei Werten über 8% ist eine Rücksprache mit dem koordinierenden Hausarzt vor dem Eingriff empfehlenswert. Ärzteversichert empfiehlt chirurgischen Praxen, die präoperative DMP-Dokumentationsanforderung in standardisierte Aufnahmebögen zu integrieren.

Chirurgen, die an Brustzentren tätig sind, sollten die Schnittstelle zum DMP Brustkrebs kennen, in dem Teilnehmerinnen nach der operativen Therapie in ein strukturiertes Nachsorgeprogramm eingeschrieben werden können.

Typische Fehler bei Chirurgen

Ein häufiger Fehler ist die fehlende präoperative Abfrage des DMP-Diabetes-Status bei Patienten mit bekanntem Typ-2-Diabetes; ohne Kenntnis der aktuellen DMP-Werte wird das perioperative Risiko unterschätzt. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Rückmeldung an den koordinierenden DMP-Arzt nach einem Eingriff; postoperative Komplikationen, die DMP-relevante Parameter beeinflussen, sollten dem Hausarzt mitgeteilt werden. Schließlich fehlt in manchen chirurgischen Praxen ein standardisierter Prozess für die DMP-Kommunikation.

Fazit

Chirurgen sind zwar keine DMP-Koordinationsärzte, aber wichtige perioperative Schnittstellen im DMP-Versorgungskreislauf; eine systematische präoperative DMP-Statusabfrage verbessert die Patientensicherheit und schützt den Chirurgen rechtlich. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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