Neurologen sind in den aktuellen deutschen Disease-Management-Programmen nicht als Koordinationsärzte vorgesehen. Dennoch ergeben sich klinisch relevante Schnittstellen: Neurologische Komplikationen von DMP-Erkrankungen (diabetische Neuropathie, zerebrovaskuläre Erkrankungen bei KHK-Patienten) machen Neurologen zu wichtigen Mitbehandlern. Darüber hinaus wird ein DMP Schlaganfall von Fachgesellschaften seit Jahren diskutiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Diabetische Neuropathie als DMP-Schnittstelle: Neurologen sind bei der Diagnose und Behandlung der diabetischen Neuropathie wichtige Mitbehandler für DMP-Diabetes-Patienten.
- Zerebrovaskuläre Erkrankungen bei KHK-DMP-Patienten: Neurologen, die KHK-Patienten nach Schlaganfall betreuen, sind wichtige Akteure im interdisziplinären KHK-DMP-Versorgungsnetz.
- Potenzielles DMP Schlaganfall und DMP Depression verfolgen: Neurologen und Psychiater fordern seit Jahren DMP für Schlaganfall und Depression; eine Einführung würde erhebliche Implikationen für neurologische Praxen haben.
DMP-Programme speziell für Neurologen
Neurologen betreuen regelmäßig Patienten, die in einem DMP eingeschrieben sind: Diabetes-DMP-Patienten mit peripherer Neuropathie, KHK-DMP-Patienten nach Schlaganfall und COPD-Patienten mit Komorbiditäten des zentralen Nervensystems. Für diese Patienten ist die Kommunikation mit dem koordinierenden DMP-Arzt wichtig, um die Behandlung zu koordinieren und Wechselwirkungen zwischen neurologischer Therapie und DMP-Zielen zu vermeiden.
Die diabetische Neuropathie ist die häufigste neurologische Komplikation des Diabetes mellitus und betrifft bis zu 50% aller Typ-2-Diabetiker. Neurologen sind bei der elektrophysiologischen Diagnostik (ENG, EMG) und der Therapieeinstellung essenziell. Die Ergebnisse der neurologischen Untersuchung sollten in die DMP-Dokumentation des koordinierenden Hausarztes einfließen.
Worauf Neurologen besonders achten sollten
Neurologen sollten bei der Behandlung von Diabetikern mit Neuropathie systematisch den DMP-Status des Patienten erfragen und relevante Befunde an den koordinierenden DMP-Arzt übermitteln. Außerdem sollten Neurologen die Diskussion um ein DMP Schlaganfall aktiv verfolgen; als potenziell koordinierende Ärzte eines solchen Programms wären sie unmittelbar betroffen. Ärzteversichert empfiehlt Neurologen, die Entwicklungen im DMP-Bereich für neurologische Erkrankungen in ihrer Praxisplanung zu berücksichtigen.
Neurologen in Schlaganfallnachsorgezentren sollten prüfen, ob ihre Patienten in einem DMP KHK eingeschrieben sind und ob die neurologische Nachsorgedokumentation mit der DMP-Dokumentation koordiniert wird.
Typische Fehler bei Neurologen
Ein häufiger Fehler ist die fehlende systematische Abfrage des DMP-Status bei Diabetikern mit Neuropathie; ohne Kenntnis der DMP-Einschreibung fehlt die Grundlage für eine koordinierte Versorgung. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Rückmeldung an den koordinierenden Arzt nach neurologischen Untersuchungen; DMP-Befunde sollten zeitnah kommuniziert werden. Schließlich wird das Potenzial eines zukünftigen DMP Schlaganfall von vielen Neurologen noch nicht in die Praxisplanung einbezogen.
Fazit
Neurologen sind wichtige Mitbehandler im DMP-System für diabetische Komplikationen und zerebrovaskuläre Erkrankungen; die Entwicklung neuer neurologischer DMP sollte aktiv beobachtet werden. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung – DMP
- GKV-Spitzenverband – Disease-Management-Programme
- Bundesgesundheitsministerium – Chronische Erkrankungen
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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