Notfallmediziner haben keinen direkten Zugang zu den gesetzlichen Disease-Management-Programmen als koordinierende oder mitbehandelnde Ärzte. Die DMP-Relevanz für Notfallmediziner ergibt sich aus der klinischen Realität: In Notaufnahmen werden regelmäßig DMP-Patienten mit akuten Dekompensationen behandelt, deren strukturierter Behandlungsplan im Notfall bekannt und berücksichtigt werden sollte.
Das Wichtigste in Kürze
- DMP-Status im Notfall identifizieren: Notfallmediziner sollten bei DMP-relevanten Erkrankungen (Diabetes-Hypoglykämie, KHK-ACS, COPD-Exazerbation) den DMP-Status des Patienten kennen.
- DMP-Dokumentation bei Entlassung kommunizieren: Nach Notfallbehandlung sollte der koordinierende DMP-Arzt zeitnah informiert werden, damit die DMP-Dokumentation aktualisiert wird.
- Notaufnahme als Identifikationsmöglichkeit: Notaufnahmen identifizieren häufig nicht-eingeschriebene DMP-fähige Patienten; die Weiterleitung an den Hausarzt zur DMP-Einschreibung ist eine wichtige Versorgungsaufgabe.
DMP-Programme speziell für Notfallmediziner
Notfallmediziner treffen täglich auf Patienten, die in einem DMP eingeschrieben sind oder sein sollten. Ein Diabetiker mit schwerer Hypoglykämie, ein KHK-Patient mit akutem Koronarsyndrom oder ein COPD-Patient mit akuter Exazerbation haben alle einen strukturierten Behandlungsplan, der im Notfall bekannt sein sollte. In der Praxis fehlt dieses Wissen häufig, weil die DMP-Dokumentation nicht in der Notaufnahme verfügbar ist.
Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) schafft hier perspektivisch eine Verbesserung: Wenn DMP-Daten in der ePA gespeichert und für Notfallmediziner abrufbar sind, kann die Behandlungsqualität bei DMP-Patienten in der Notaufnahme verbessert werden. Bis zur vollständigen Implementierung der ePA bleibt die Kommunikation zwischen Notaufnahme und koordinierendem DMP-Arzt das wichtigste Instrument.
Worauf Notfallmediziner besonders achten sollten
Notfallmediziner sollten bei der Behandlung von DMP-relevanten Erkrankungen (Diabetes, KHK, COPD, Asthma) systematisch erfragen, ob ein DMP-Status vorliegt, und diesen in der Behandlungsdokumentation vermerken. Nach der Notfallbehandlung sollte eine Nachricht an den Hausarzt oder koordinierenden DMP-Arzt erfolgen, damit die DMP-Dokumentation aktualisiert werden kann. Ärzteversichert empfiehlt Notfallmedizinern in Leitungsrollen, DMP-Kommunikationsprozesse in die Notaufnahme-Workflows zu integrieren.
Bei Patienten, bei denen in der Notaufnahme eine DMP-fähige Diagnose erstmals gestellt wird (z. B. erstmaliger Diabetes-Nachweis), sollte der Entlassungsbrief ausdrücklich die Empfehlung zur DMP-Einschreibung beim Hausarzt enthalten.
Typische Fehler bei Notfallmedizinern
Ein häufiger Fehler ist die fehlende Rückmeldung an den koordinierenden DMP-Arzt nach Notfallbehandlungen, die die DMP-relevanten Parameter des Patienten beeinflusst haben. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Empfehlung zur DMP-Einschreibung im Entlassungsbrief, wenn erstmals eine DMP-fähige Erkrankung diagnostiziert wurde. Schließlich fehlt in vielen Notaufnahmen ein systematischer Prozess für die DMP-Kommunikation.
Fazit
Notfallmediziner sind zwar keine DMP-Koordinationsärzte, spielen aber eine wichtige Rolle als Schnittstelle zwischen DMP-Patienten in der Dekompensation und dem strukturierten Versorgungssystem; eine systematische Kommunikation mit den koordinierenden DMP-Ärzten ist essenziell. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung – DMP
- GKV-Spitzenverband – Disease-Management-Programme
- Bundesgesundheitsministerium – Notfallversorgung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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