Orthopäden sind in den aktuellen deutschen DMP nicht als Koordinations- oder Mitbehandlungsärzte vorgesehen. Allerdings gibt es relevante klinische Schnittstellen zu DMP-Erkrankungen: Diabetiker mit Gelenkerkrankungen, KHK-Patienten vor elektiven orthopädischen Eingriffen und COPD-Patienten mit muskuloskelettalen Komorbiditäten kommen regelmäßig in orthopädische Praxen. Ein DMP Rückenschmerz oder Osteoporose, das Orthopäden direkt einschließen würde, wird diskutiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Orthopäden sind keine regulären DMP-Partner: In den aktuellen DMP (Diabetes, KHK, COPD, Asthma, Brustkrebs) haben Orthopäden keine formale Rolle als Koordinations- oder Mitbehandlungsarzt.
- DMP-relevante Komorbiditäten bei Patienten berücksichtigen: Orthopäden sollten bei DMP-Patienten die DMP-Einschreibung kennen und bei Operationen den koordinierenden Arzt einbinden.
- Potenzielles DMP Rückenschmerz/Osteoporose beobachten: Orthopäden sind potenzielle Schlüsselärzte in zukünftigen DMP für muskuloskelettale Erkrankungen.
DMP-Programme speziell für Orthopäden
In der orthopädischen Praxis ist die DMP-Relevanz vorrangig durch die Multimorbidität der Patienten gegeben: Viele Orthopäden-Patienten, die zur Behandlung von Gonarthrose, lumbaler Spinalkanalstenose oder Hüftendoprothesen-Planung kommen, sind gleichzeitig in einem DMP Diabetes oder DMP KHK eingeschrieben. Für diese Patienten ist die orthopädische Behandlung in den DMP-Gesamtkontext einzubetten.
Besonders relevant ist die präoperative Phase: Vor elektiven orthopädischen Eingriffen (Knie-TEP, Hüft-TEP) sollten der koordinierende DMP-Diabetes-Arzt über den geplanten Eingriff informiert werden, um das perioperative Blutzucker-Management zu koordinieren. Ein HbA1c über 8% ist ein erhöhtes perioperatives Risiko; die DMP-Dokumentation enthält häufig aktuelle Laborwerte, die für die orthopädische Risikoeinschätzung relevant sind.
Worauf Orthopäden besonders achten sollten
Orthopäden sollten in der präoperativen Anamnese systematisch nach DMP-Einschreibungen fragen und bei DMP-relevanten Erkrankungen eine Kontaktaufnahme mit dem koordinierenden Arzt veranlassen. Außerdem sollten Orthopäden die Entwicklung potenzieller DMP für muskuloskelettale Erkrankungen (Rückenschmerz, Osteoporose, Rheumatoide Arthritis) aufmerksam verfolgen. Ärzteversichert empfiehlt Orthopäden, die DMP-Kommunikation als Teil der interdisziplinären Behandlungsplanung zu formalisieren.
Für die Osteoporose-Behandlung, die in vielen orthopädischen Praxen eine wichtige Rolle spielt, könnte ein zukünftiges DMP Osteoporose erhebliche Vergütungsrelevanz haben.
Typische Fehler bei Orthopäden
Ein häufiger Fehler ist die fehlende präoperative Abfrage des DMP-Diabetes-Status bei elektiven Gelenkersatz-Operationen; ohne Kenntnis der aktuellen DMP-Werte wird das perioperative Risiko unvollständig eingeschätzt. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Information des koordinierenden DMP-Arztes über geplante orthopädische Eingriffe. Schließlich wird die mögliche Vergütungsrelevanz zukünftiger DMP für muskuloskelettale Erkrankungen von vielen Orthopäden noch nicht in die Praxisplanung einbezogen.
Fazit
Orthopäden sollten als wichtige Schnittstelle für DMP-Patienten mit muskuloskelettalen Erkrankungen die DMP-Kommunikation formalisieren und zukünftige Entwicklungen im DMP-Bereich für ihre Fachrichtung aktiv beobachten. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung – DMP
- GKV-Spitzenverband – Disease-Management-Programme
- Bundesgesundheitsministerium – Chronische Erkrankungen
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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