Radiologen sind in den deutschen Disease-Management-Programmen nicht als Koordinations- oder Mitbehandlungsärzte vorgesehen, liefern aber essenziell diagnostische Beiträge für mehrere Programme. Im DMP Brustkrebs ist die Mammografie-Diagnostik eine zentrale Voraussetzung für Einschreibung und Verlaufskontrolle; im DMP KHK ist die bildgebende Diagnostik bei der Risikoeinschätzung und Therapieevaluation unverzichtbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Mammografie als DMP-Brustkrebs-Grundlage: Radiologen, die im Mammografie-Screening tätig sind oder Abklärungsuntersuchungen durchführen, sind faktisch Schlüsselpartner im DMP Brustkrebs, auch wenn sie formal nicht als Mitbehandler eingeschrieben sind.
- Koronarangiografie und CCTA im DMP KHK: CT-basierte Koronardiagnostik (CCTA) und konventionelle Koronarangiografie spielen eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Verlaufsbeurteilung im DMP Koronare Herzkrankheit.
- Strukturierte Befundkommunikation mit DMP-Koordinatoren: Radiologen sollten ihre Befundberichte bei DMP-Patienten gezielt auf die DMP-relevanten Fragestellungen ausrichten und den koordinierenden Arzt direkt informieren.
DMP-Programme speziell für Radiologen
Im DMP Brustkrebs nimmt die Radiologie eine Doppelfunktion ein: Zum einen ist die Mammografie-Diagnostik (Screening-Mammografie, Abklärungsdiagnostik, MRT der Brust) die Grundlage für die Erstdiagnose und die Einschreibevoraussetzung; zum anderen ist die radiologische Verlaufsbildgebung (CT-Staging, MRT, PET-CT in Kooperation mit der Nuklearmedizin) ein wesentlicher Bestandteil der DMP-Nachsorge. Radiologen in Brustkrebszentren nehmen an interdisziplinären Tumorkonferenzen teil und tragen direkt zur DMP-Qualitätssicherung bei.
Im DMP KHK gewinnt die CT-Koronarangiografie als nicht-invasives Diagnostikverfahren zunehmend an Bedeutung. Radiologen, die CCTA-Untersuchungen für KHK-Verdachtsdiagnosen durchführen, liefern die diagnostische Grundlage für Einschreibeentscheidungen und Therapieanpassungen. Die Befundrückmeldung an den koordinierenden KHK-Arzt sollte DMP-relevante Parameter (Stenosegrad, Kalkscore) explizit adressieren.
Worauf Radiologen besonders achten sollten
Radiologen sollten bei Untersuchungen von bekannten DMP-Patienten den DMP-Status in der Befunderstellung berücksichtigen und die für den koordinierenden Arzt relevanten DMP-Parameter explizit ansprechen. Bei Mammografie-Abklärungsuntersuchungen sollte der Befundbericht so strukturiert sein, dass der koordinierende Arzt unmittelbar erkennt, welche Konsequenz sich für die DMP-Einschreibung oder den DMP-Behandlungspfad ergibt.
Ärzteversichert empfiehlt Radiologen in Brustzentren, die Befundkommunikationsprozesse mit den DMP-koordinierenden Gynäkologen zu formalisieren; standardisierte Befundbögen, die die DMP-relevanten Parameter in strukturierter Form enthalten, reduzieren den kommunikativen Aufwand und verbessern die Behandlungsqualität. Die digitale Radiologie bietet hier Vorteile: Strukturierte Befundvorlagen können in die Radiologie-Informationssysteme (RIS) integriert werden.
Radiologen sollten außerdem sicherstellen, dass Mammografie-Einheiten, die im Rahmen des Mammografie-Screenings tätig sind, alle regulatorischen Anforderungen (Qualitätssicherungs-Richtlinie Mammografie) erfüllen; Verstöße haben direkte Auswirkungen auf die Anerkennung als DMP-Screeningeinheit.
Typische Fehler bei Radiologen
Ein häufiger Fehler ist der unvollständige Befundbericht, der die DMP-relevanten Konsequenzen nicht explizit benennt; der koordinierende Arzt muss selbst interpretieren, was der radiologische Befund für den DMP-Behandlungspfad bedeutet. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Teilnahme an Tumorkonferenzen bei Radiologen, die in Brustzentren tätig sind; ohne radiologische Expertise in der Konferenz fehlt ein wesentlicher Beitrag zur DMP-Qualitätssicherung. Schließlich wird die Dokumentationspflicht der Mammografie-Screening-Qualitätssicherung von manchen Radiologen unterschätzt, obwohl sie Voraussetzung für die DMP-Anerkennung ist.
Fazit
Radiologen sind unverzichtbare diagnostische Partner im DMP Brustkrebs und DMP KHK; strukturierte Befundkommunikation mit koordinierenden Ärzten und aktive Teilnahme an interdisziplinären Konferenzen sind die Schlüsselbeiträge zur DMP-Versorgungsqualität. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung – DMP Brustkrebs
- GKV-Spitzenverband – Disease-Management-Programme
- Bundesgesundheitsministerium – Brustkrebs und DMP
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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