Rechtsmediziner haben keine direkte Verbindung zu den deutschen Disease-Management-Programmen. DMP-Programme sind auf die strukturierte Versorgung lebender Patienten mit chronischen Erkrankungen ausgerichtet; die Tätigkeit von Rechtsmedizinern ist primär auf Todesfalluntersuchungen, klinische Begutachtung und forensische Analytik ausgerichtet. Dennoch ergeben sich indirekte Berührungspunkte: Rechtsmediziner begegnen in Todesfalluntersuchungen regelmäßig Verstorbenen, die zu Lebzeiten in DMP eingeschrieben waren.

Das Wichtigste in Kürze

  • DMP-Einschreibung als Ausgangsinformation bei Todesfällen: Bei Verstorbenen mit DMP-dokumentierten Erkrankungen (Diabetes, KHK, COPD) liefern DMP-Unterlagen wichtige Hintergrundinformationen für die Todesursachenbestimmung.
  • DMP-Daten können bei Begutachtungen relevant sein: Bei klinischen Begutachtungen (Behandlungsfehlervorwürfe, Invaliditätsgutachten) sind DMP-Dokumentationen wichtige Quellen zur Rekonstruktion des Behandlungsverlaufs.
  • Keine direkte DMP-Teilnahme, aber indirekte Schnittstellen verstehen: Rechtsmediziner sollten wissen, welche Informationen DMP-Unterlagen enthalten, um diese bei gutachterlichen Fragestellungen zu nutzen.

DMP-Programme speziell für Rechtsmediziner

In der rechtsmedizinischen Praxis taucht die DMP-Thematik vor allem bei Todesfalluntersuchungen und gutachterlichen Tätigkeiten auf. Bei einem Verstorbenen, der im DMP Koronare Herzkrankheit eingeschrieben war, liefert die DMP-Dokumentation eine strukturierte Verlaufsgeschichte der Herzerkrankung: HbA1c-Werte, Medikamentenlisten, Blutdruckkontrollen, EF-Werte und Stresstest-Ergebnisse sind in der DMP-Akte festgehalten und können bei der Klärung der Todesursache hilfreich sein.

Bei Behandlungsfehlervorwürfen, die den Rechtsmediziner als Gutachter einbeziehen, sind DMP-Dokumentationen besonders wertvolle Beweisquellen: Die strukturierte Quartalsberichterstattung des DMP zeigt, ob der behandelnde Arzt die DMP-Zielwerte regelmäßig überprüft hat, ob Abweichungen dokumentiert wurden und ob entsprechende Therapieanpassungen erfolgt sind. Eine lückenhafte DMP-Dokumentation kann auf Behandlungsfehler hinweisen.

Worauf Rechtsmediziner besonders achten sollten

Rechtsmediziner sollten bei der Anforderung von Unterlagen für Todesfalluntersuchungen und Gutachten gezielt nach DMP-Unterlagen fragen, wenn die Todesursache mit einer DMP-Erkrankung in Zusammenhang steht. Hausärzte als DMP-koordinierende Ärzte haben die DMP-Quartalsbögen als strukturierte Dokumentation des Behandlungsverlaufs aufzubewahren; diese Unterlagen sind über die regulären Kanalanfragen für Todesfalluntersuchungen erreichbar.

Ärzteversichert empfiehlt Rechtsmedizinern, die Struktur und den Informationsgehalt der verschiedenen DMP-Dokumentationsbögen zu kennen, um bei Gutachten gezielt die richtigen Informationen anzufordern. KBV und GKV-Spitzenverband stellen die DMP-Dokumentationsbögen öffentlich zur Verfügung; ein grundlegendes Verständnis der DMP-Anforderungen an die ärztliche Dokumentation verbessert die Gutachtenqualität bei DMP-relevanten Fällen erheblich.

Bei Invaliditätsgutachten nach Herzinfarkt oder Diabetes-Komplikationen können DMP-Verlaufdokumentationen zeigen, ob der Patient die empfohlenen Kontrolluntersuchungen wahrgenommen hat; dies ist für die Bewertung des Mitverschuldens bei Eigenverschlechterung relevant.

Typische Fehler bei Rechtsmedizinern

Ein häufiger Fehler ist die fehlende gezielte Anforderung von DMP-Dokumentationen bei der Bearbeitung von Todesfällen mit DMP-relevanten Grunderkrankungen; ohne diese Unterlagen bleibt eine wichtige Informationsquelle ungenutzt. Ein zweiter Fehler ist die unzureichende Kenntnis über den Informationsgehalt der verschiedenen DMP-Dokumentationsbögen, was dazu führt, dass Gutachten weniger vollständig sind als möglich. Schließlich wird das Potenzial der DMP-Dokumentation als Beweismittel in Behandlungsfehlerverfahren von manchen Rechtsmedizinern und Anwälten noch nicht systematisch genutzt.

Fazit

Rechtsmediziner haben keinen direkten DMP-Zugang, sollten aber die DMP-Dokumentation als wichtige Informationsquelle bei Todesfalluntersuchungen und Behandlungsfehler-Gutachten kennen und gezielt einsetzen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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