Sportmediziner sind in keinem der aktuellen deutschen Disease-Management-Programme als Koordinations- oder Mitbehandlungsärzte vorgesehen. Dennoch ist die Überschneidung mit DMP-Erkrankungen erheblich: Körperliche Aktivität ist in allen DMP (Diabetes, KHK, COPD, Asthma) als wesentliches Therapieelement verankert, und strukturierte Bewegungsprogramme sind fester Bestandteil der DMP-Behandlungsempfehlungen. Sportmediziner sind damit de facto wichtige Umsetzungspartner für DMP-Therapieziele.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bewegungstherapie als DMP-Kernelement: In allen DMP ist körperliche Aktivität als Therapiebaustein verankert; sportmedizinische Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung unterstützen DMP-Patienten bei der Umsetzung dieser Empfehlungen.
  • Sportmedizinische Untersuchungen für DMP-Patienten: Vor Aufnahme strukturierter Bewegungsprogramme sollten DMP-Patienten (insbesondere KHK und Diabetes Typ 2) eine sportmedizinische Eingangsuntersuchung mit Ergometrie erhalten; Sportmediziner können diese Schnittstelle aktiv besetzen.
  • Koronarsport und Herzsportgruppen: Sportmediziner, die Koronarsport-Gruppen betreuen, arbeiten direkt mit DMP-KHK-Patienten und sollten die DMP-Dokumentationsanforderungen kennen.

DMP-Programme speziell für Sportmediziner

In der sportmedizinischen Praxis sind DMP-Erkrankungen häufige Begleitdiagnosen: Ein erheblicher Anteil der Patienten in sportmedizinischer Betreuung hat Diabetes Typ 2, KHK oder COPD und ist in einem entsprechenden DMP eingeschrieben. Diese Patienten kommen zum Sportmediziner, um die im DMP empfohlene Steigerung der körperlichen Aktivität umzusetzen; die sportmedizinische Eingangsuntersuchung und das individuell dosierte Trainingsprogramm sind dabei entscheidend für die sichere Umsetzung.

Besonders relevant ist die Zusammenarbeit bei der Betreuung von Herzpatienten in Koronarsport-Gruppen: Sportmediziner, die als Übungsleiter-Ärzte in Herzsportgruppen tätig sind, betreuen täglich DMP-KHK-Patienten. Die Ergebnisse aus dem Koronarsport (Belastungstoleranz, Symptomveränderungen, Herzfrequenzverhalten) sind für den koordinierenden KHK-DMP-Arzt relevante Verlaufsinformationen, die systematisch zurückgemeldet werden sollten.

Worauf Sportmediziner besonders achten sollten

Sportmediziner sollten bei der Aufnahme neuer Patienten systematisch den DMP-Status erfragen und bei bekanntem DMP-Status eine Abstimmung mit dem koordinierenden Arzt suchen; dies gilt insbesondere für die Festlegung der Belastungsgrenzen bei DMP-KHK- und DMP-Diabetes-Patienten. Bei DMP-Diabetes-Patienten ist die Anpassung der Medikation (Insulin, Sulfonylharnstoffe) an die Trainingsphasen ein Sicherheitsthema, das zwingend mit dem koordinierenden Diabetes-Arzt abgestimmt sein muss.

Ärzteversichert empfiehlt Sportmedizinern, die sportmedizinische Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung als Ergänzung zu den DMP-Behandlungsempfehlungen zu positionieren und Kooperationsbeziehungen zu DMP-koordinierenden Hausärzten und Kardiologen aufzubauen. Langfristig sind Sportmediziner als potenzielle Mitbehandler in einem möglichen DMP Übergewicht/Adipositas positioniert; diese Entwicklung sollte in der Praxisstrategie berücksichtigt werden.

Die Dokumentation von Trainingsergebnissen (Ergometrie-Befunde, erreichte MET-Werte, Herzfrequenzreserve) in strukturierter Form ermöglicht die Weitergabe an koordinierende DMP-Ärzte und verbessert die interdisziplinäre Versorgungsqualität.

Typische Fehler bei Sportmedizinern

Ein häufiger Fehler ist die fehlende Belastungsergometrie vor Beginn eines strukturierten Trainingsprogramms bei DMP-KHK- oder DMP-Diabetes-Patienten; ohne dieses Sicherheitsscreening besteht ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Zwischenfälle. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Kommunikation mit dem koordinierenden DMP-Arzt über geplante Intensivierungen des Trainingsprogramms; Änderungen des Aktivitätsniveaus bei Diabetikern erfordern eine Medikationsanpassung. Schließlich fehlt oft eine strukturierte Rückmeldung der Trainingsergebnisse an den DMP-koordinierenden Arzt, obwohl diese Informationen für die DMP-Verlaufsbeurteilung wertvoll wären.

Fazit

Sportmediziner sind wichtige Umsetzungspartner für die Bewegungstherapie-Empfehlungen in allen DMP; eine systematische Kommunikation mit koordinierenden DMP-Ärzten und die strategische Positionierung als Kooperationspartner im DMP-Versorgungsnetz sind für sportmedizinische Praxen sinnvoll. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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