Unfallchirurgen sind in den deutschen Disease-Management-Programmen nicht als Koordinations- oder Mitbehandlungsärzte vorgesehen. Die DMP-Relevanz ergibt sich aus dem klinischen Alltag: Traumapatienten mit bekanntem Diabetes, KHK oder COPD bringen ihre DMP-Erkrankungen in die unfallchirurgische Behandlung mit. Perioperatives Management, Wundheilung und Rehabilitationsplanung werden durch DMP-Erkrankungen erheblich beeinflusst.
Das Wichtigste in Kürze
- Diabetischer Fuß und Wundheilung: DMP-Diabetes-Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Wundheilungsstörungen nach unfallchirurgischen Eingriffen; präoperative Blutzucker-Optimierung ist entscheidend.
- Perioperatives DMP-Management bei Traumapatienten: Unfallchirurgen sollten bei elektiven und dringlichen Eingriffen den DMP-Status des Patienten kennen und den koordinierenden DMP-Arzt in die perioperative Planung einbeziehen.
- Osteoporose als Unfallursache identifizieren: Niedrigenergie-Frakturen (Sturz aus Stand) bei älteren Patienten können auf eine Osteoporose hinweisen, die für eine DMP-Einschreibung relevant sein könnte; die Weiterleitung an den Hausarzt zur weiteren Abklärung ist wichtig.
DMP-Programme speziell für Unfallchirurgen
In der unfallchirurgischen Praxis und in Traumazentren werden täglich Patienten behandelt, die in einem DMP eingeschrieben sind. Ein älterer Patient mit Hüftfraktur nach Sturz kann gleichzeitig im DMP Diabetes eingeschrieben sein; der Diabetes beeinflusst die Wundheilung, das Infektionsrisiko und die perioperative Anästhesieplanung erheblich. Ein HbA1c über 7,5% zum Zeitpunkt des Eingriffs ist mit einer deutlich erhöhten Rate an Wundheilungsstörungen und perioperativen Komplikationen assoziiert.
Bei dringlichen unfallchirurgischen Eingriffen ist die präoperative Optimierung des Blutzuckers häufig nicht möglich; in diesen Fällen sollte das perioperative Insulinmanagement nach festen Protokollen erfolgen und der koordinierende DMP-Diabetes-Arzt so früh wie möglich in die postoperative Betreuung eingebunden werden. Für KHK-DMP-Patienten ist präoperativ zu klären, ob eine laufende Antikoagulation oder Thrombozytenaggregationshemmung für den Eingriff modifiziert werden muss; dies erfordert Abstimmung mit dem koordinierenden Kardiologen.
Worauf Unfallchirurgen besonders achten sollten
Unfallchirurgen sollten in der präoperativen Anamnese systematisch nach DMP-Einschreibungen fragen und den DMP-Status in der OP-Vorbereitung berücksichtigen. Bei Niedrigenergie-Frakturen (pathologische Frakturen, Wirbelkörpersinterungen) sollte im Entlassungsbrief ausdrücklich die Empfehlung zur Osteoporose-Abklärung und ggf. DMP-Einschreibung beim Hausarzt enthalten sein.
Ärzteversichert empfiehlt Unfallchirurgen, feste Kommunikationskanäle mit koordinierenden DMP-Ärzten für die perioperative Phase zu etablieren; ein standardisierter Entlassungsbrief, der DMP-relevante Parameter (Blutzucker, Medikamentenpause, Rehabilitationsbedarf) explizit adressiert, unterstützt die nahtlose Weiterbehandlung im DMP-System.
Bei der Planung der Rehabilitation nach Unfällen sollte der DMP-Status berücksichtigt werden: DMP-COPD-Patienten haben eingeschränkte Rehabilitationskapazitäten; DMP-Diabetes-Patienten benötigen angepasste Belastungsprotokolle mit Blutzuckermonitoring. Die frühzeitige Einbeziehung des koordinierenden DMP-Arztes in die Reha-Planung verbessert die Behandlungsergebnisse.
Typische Fehler bei Unfallchirurgen
Ein häufiger Fehler ist die fehlende präoperative Abfrage des DMP-Status bei geplanten und dringlichen Eingriffen; ohne diese Information können perioperative Risiken nicht vollständig eingeschätzt werden. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Rückmeldung an den koordinierenden DMP-Arzt nach abgeschlossener unfallchirurgischer Behandlung; der DMP-Arzt muss über den Eingriff informiert werden, um die DMP-Dokumentation zu aktualisieren und die Nachsorge zu planen. Schließlich wird die Möglichkeit der Osteoporose-Erkennung bei Niedrigenergie-Frakturen als Chance zur DMP-Weiterleitung von vielen Unfallchirurgen noch nicht systematisch genutzt.
Fazit
Unfallchirurgen behandeln täglich DMP-Patienten, deren chronische Erkrankungen das perioperative Risiko und die Wundheilung beeinflussen; systematische DMP-Statusabfrage und strukturierte Kommunikation mit koordinierenden Ärzten verbessern die Behandlungssicherheit. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung – DMP
- GKV-Spitzenverband – Disease-Management-Programme
- Bundesgesundheitsministerium – Chronische Erkrankungen
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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