Allgemeinmediziner bilden das Rückgrat der kassenärztlichen Versorgung und rechnen täglich eine Vielzahl von EBM-Ziffern ab. Gleichzeitig sind ihre Honorare durch Budgetierungen und Regelleistungsvolumina (RLV) begrenzt, was dazu führt, dass erbrachte Leistungen ohne optimale Abrechnungsstrategie nur teilweise vergütet werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die hausärztliche Grundpauschale (EBM-Kapitel 3) ist die Basis jeder Abrechnung; ihre korrekte Anwendung mit Zuschlägen (z.B. für chronisch Kranke) entscheidet über einen erheblichen Teil des Umsatzes.
  • Chronikerpauschalen (03221) und Disease-Management-Programme (DMP) bieten Allgemeinmedizinern budgetunabhängige Vergütungskomponenten.
  • Leistungen außerhalb des Budgets (z.B. Impfleistungen, Präventionsuntersuchungen) sollten konsequent genutzt werden, um das Regelleistungsvolumen zu schonen.

EBM-Abrechnung speziell für Allgemeinmediziner

Allgemeinmediziner rechnen nach dem hausärztlichen Versorgungsbereich ab, der sich von der fachärztlichen Abrechnung grundlegend unterscheidet. Die Grundpauschale 03000 (hausärztlich, Erstpatienten) bzw. 03010 (bekannte Patienten) wird je Behandlungsfall einmal abgerechnet und enthält eine Vielzahl von Leistungen, die nicht zusätzlich abrechnungsfähig sind. Allgemeinmediziner müssen genau wissen, welche Leistungen in der Grundpauschale enthalten sind und welche separat berechnet werden dürfen.

Ein zentrales Instrument ist die Chronikerpauschale nach EBM 03221: Sie ist für Patienten abrechenbar, die wegen mindestens einer chronischen Erkrankung mindestens zwei Arzt-Patienten-Kontakte im Quartal haben. Bei einer durchschnittlichen Praxis mit 500 bis 700 Chronikern pro Quartal kann die konsequente Nutzung dieser Ziffer zu einem erheblichen Mehrumsatz führen.

Worauf Allgemeinmediziner besonders achten sollten

Die Kooperations- und Koordinationsleistungen (z.B. Überweisungsmanagement, Einweisung) sind im EBM gesondert abrechenbar, werden aber häufig nicht in Anspruch genommen. Ärzteversichert empfiehlt Allgemeinmedizinern, im Rahmen der Praxisoptimierung auch die Abrechnungsstruktur mit einem auf Kassenärzte spezialisierten Berater zu prüfen, da Einkommensverluste durch Mindermeldungen direkt das Vorsorge- und Versicherungsniveau beeinflussen.

DMP-Einschreibungen (Diabetes, KHK, Asthma/COPD) lohnen sich nicht nur für die Patientenversorgung, sondern auch abrechnungstechnisch, da DMP-Leistungen extrabudgetär vergütet werden.

Typische Fehler bei Allgemeinmedizinern

Ein häufiger Fehler ist das Vergessen der Chronikerpauschale bei Patienten mit mehreren Kontakten. Viele Praxissysteme bieten automatische Hinweise, die aber nur dann funktionieren, wenn die Diagnosen korrekt kodiert sind.

Ein weiterer Fehler ist das Nicht-Abrechnen von Zuschlägen wie dem Hausbesuchszuschlag (03062) oder dem Notfallzuschlag. Diese Leistungen sind zeitaufwendig und werden häufig als "sowieso dabei" betrachtet, obwohl sie konkrete EBM-Ziffern haben.

Fazit

Allgemeinmediziner können durch konsequente Nutzung von Chronikerpauschalen, DMP-Einschreibungen und extrabudgetären Leistungen ihr Honorar deutlich optimieren, ohne mehr Patienten behandeln zu müssen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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