Augenärzte sind durch die enge Nähe zur Hornhaut und Bindehaut sowie durch intravitreale Injektionen einem spezifischen Hygienerisiko ausgesetzt. Eine Endophthalmitis nach intravitrealer Injektion ist eine der gefürchtetsten Komplikationen in der Augenheilkunde und kann trotz sofortiger Behandlung zur vollständigen Erblindung führen. Die konsequente Anwendung von Hygieneprotokollen bei intraokularen Eingriffen ist daher von höchster Priorität.
Das Wichtigste in Kürze
- Intravitreale Injektionen (IVT) müssen unter aseptischen Bedingungen mit Einmalmaterialien, Povidon-Iod-Antisepsis und sterilem Abdecktuch durchgeführt werden
- Kontakttonometer und Spaltlampen-Kontaktstücke müssen zwischen Patienten desinfiziert werden; Einmalkontakte sind für Hochrisikopatienten zu bevorzugen
- Kontaktlinsenanpassung und Kontaktlinsenreinigung in der Praxis erfordern klare Protokolle zur Vermeidung von Acanthamoeba-Kontaminationen
Hygienemanagement speziell für Augenärzte
Die intravitreale Injektion ist der häufigste Eingriff in deutschen Augenarztpraxen; allein 2023 wurden in Deutschland über 2 Millionen IVT-Injektionen durchgeführt. Das Endophthalmitis-Risiko liegt bei gut durchgeführter Hygiene unter 0,03 Prozent; bei Hygienemängeln steigt es auf 0,1 bis 0,5 Prozent. Bei einer Praxis mit 100 Injektionen pro Monat bedeutet das bei schlechter Hygiene zwischen 1 und 5 Fälle pro Jahr mit potenziell irreversiblem Sehverlust und erheblichen Haftungsfolgen.
Das Injektionsprotokoll umfasst: alkoholische Händedesinfektion, sterile Einmalhandschuhe, Lidspekulum zur Lidöffnung, dreimalige Augentropfen mit Povidon-Iod 5 Prozent mit 3-minütiger Wirkzeit, Einmalnadel und sofortiges Abwischen des Injektionsortes. Abweichungen von diesem Protokoll müssen dokumentiert und begründet werden.
Worauf Augenärzte besonders achten sollten
Augenärzte sollten die Hygieneprotokolle für intravitreale Injektionen regelmäßig mit dem gesamten Praxisteam trainieren und schriftlich fixieren. Assistenzpersonal, das die Vorbereitungen trifft, muss genauso hygienisch schuliert sein wie der Arzt. Ärzteversichert empfiehlt, für die Haftpflichtversicherung zu prüfen, ob intravitreale Eingriffe explizit eingeschlossen sind, da diese Eingriffe besonders hohe Schadenspotenziale haben.
Typische Fehler bei Augenärzte
Ein häufiger Fehler ist die zu kurze Einwirkzeit von Povidon-Iod vor der Injektion. Unter drei Minuten ist die antiseptische Wirkung unzureichend. Ein weiterer Fehler betrifft den Mehrfacheinsatz von Augentropfenflaschen: Multi-Dose-Flaschen dürfen nicht von Patient zu Patient verwendet werden; für Hochrisikopatienten (immunsupprimiert, Prothesen) sind Einmaldosierungen Pflicht.
Fazit
Augenärzte, die ihre intravitrealen Injektionsprotokolle konsequent einhalten und ihr Team regelmäßig schulen, schützen ihre Patienten vor den verheerenden Folgen einer Endophthalmitis. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – Hygienerichtlinien ophthalmologische Eingriffe
- Bundesgesundheitsministerium – Infektionsschutz und Hygiene
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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