Chirurgen tragen das höchste Infektionsrisiko aller Fachrichtungen, wenn man postoperative Wundinfektionen (SSI) betrachtet. Nach Daten des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) liegt die SSI-Rate bei ambulanten Eingriffen zwischen 0,5 und 5 Prozent, je nach Eingriffskategorie und Hygienemanagement. Eine Wundinfektion nach ambulanter Operation verlängert die Behandlungszeit erheblich und begründet in vielen Fällen Arzthaftungsansprüche.

Das Wichtigste in Kürze

  • Präoperative Hautantisepsis mit alkoholhaltigen Lösungen (mindestens 70% Isopropanol oder Ethanol) nach einer Einwirkzeit von 1 bis 3 Minuten ist für jede OP-Vorbereitung obligatorisch
  • Sterile Handschuhe, steriles OP-Besteck und sterile Abdeckmaterialien müssen für jeden Eingriff neu geöffnet werden; eine Wiederverwendung ohne validierte Sterilisation ist verboten
  • Die sterile Aufbereitung von Mehrweg-OP-Instrumenten muss im Siegeldampf-Autoklav mit Chargendokumentation erfolgen; externe Sterilisation ist nur in zertifizierten Einrichtungen zulässig

Hygienemanagement speziell für Chirurgen

Chirurgen im ambulanten OP-Bereich müssen einen spezifischen OP-Hygieneplan vorhalten, der alle Phasen des operativen Eingriffs abdeckt: Präoperative Vorbereitung (Hautantisepsis, Abdeckung), intraoperative Phase (Asepsis, Instrumentenmanagement) und postoperative Phase (Wundversorgung, Verbandswechsel-Protokoll). Das Hygienekonzept muss von einer qualifizierten Hygienefachkraft oder einem Hygienearzt begutachtet werden.

Die Sterilisationsvalidierung ist ein zentrales Thema: Jeder Autoklav muss regelmäßig mit biologischen Indikatoren und Bowie-Dick-Tests geprüft werden; die Protokolle müssen fünf Jahre aufbewahrt werden. Chirurgen, die ihr OP-Instrumentarium in einer externen Sterilisationseinrichtung aufbereiten lassen, müssen deren Zertifizierung nach DIN EN ISO 13485 dokumentieren.

Worauf Chirurgen besonders achten sollten

Chirurgen sollten das Konzept des "Clean Air" in ihrem Operationssaal ernst nehmen. Laminar-Flow-Systeme oder zumindest Lüftungsanlagen mit HEPA-Filtration sind für Eingriffe mit Implantaten (Endoprothesen, Netze, Platten) empfohlen. Ärzteversichert empfiehlt, die Berufshaftpflicht für Chirurgen auf explizite Deckung von Infektionskomplikationen zu überprüfen; SSI nach ambulanter OP zählen zu den häufigsten Haftungsfällen.

Typische Fehler bei Chirurgen

Ein häufiger Fehler ist die fehlende Dokumentation der präoperativen Antibiotikaprophylaxe. Bei Eingriffen mit erhöhtem Infektionsrisiko (z.B. Hernienoperationen mit Netzimplantation) ist eine Single-Shot-Prophylaxe mit einem Breitspektrum-Cephalosporin Standard; das Vergessen oder die Nichtdokumentation führt im Haftungsfall zu nachteiligen Beweissituationen. Ein weiterer Fehler betrifft den Verbandswechsel in der Nachsorgephase ohne korrekte Wunddesinfektionsmaßnahmen.

Fazit

Chirurgen, die alle Phasen des perioperativen Hygienemanagements konsequent umsetzen und dokumentieren, minimieren das SSI-Risiko und schützen sich vor Haftungsfolgen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Persönliche Beratung zu diesem Thema?

Kostenfreie Erstberatung anfragen →