Psychiater arbeiten überwiegend in der verbalen Therapie ohne invasive Eingriffe, was zunächst auf ein geringes Infektionsrisiko hindeutet. Dennoch ist das Hygienemanagement in psychiatrischen Praxen und Kliniken ein wichtiges Thema: Viele psychiatrische Patienten haben eine reduzierte Immunabwehr durch Medikamente, leben in sozialen Brennpunkten und können Träger von Infektionskrankheiten sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Blutentnahmen für Medikamentenspiegel (Lithium, Clozapin) und Leberwertkontrollen erfordern dieselben Hygienestandards wie in jeder anderen Praxis
  • EEG-Elektroden und Psychomotilometrieausrüstung müssen nach jedem Patienten desinfiziert werden
  • Psychiatrische Praxen mit Gruppentherapieräumen müssen auf die regelmäßige Desinfektion von Kontaktflächen achten

Hygienemanagement speziell für Psychiater

Psychiatrische Patienten unter Clozapin oder anderen Psychopharmaka benötigen regelmäßige Blutbildkontrollen wegen Agranulozytose-Risikos. Diese Blutentnahmen finden oft in der psychiatrischen Praxis statt; die Hygienestandards für venöse Blutentnahmen müssen vollständig eingehalten werden. Da Clozapin-Patienten unter Immunsuppression stehen können, ist besondere Sorgfalt bei der Händehygiene vor dem Kontakt geboten.

In Psychiatrien und psychiatrischen Tageskliniken sind Gruppentherapieräume Hochkontaktzonen. Stühle, Tischflächen und Türklinken werden von vielen Personen berührt und müssen täglich desinfiziert werden. Wenn in einer psychiatrischen Einrichtung ein Infektionsausbruch (z.B. Gastroenteritis, Norovirus) auftritt, muss das Ausbruchsmanagement nach dem Infektionsschutzgesetz dokumentiert und dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Worauf Psychiater besonders achten sollten

Psychiater sollten die Hygieneeducation für ihre Patienten als Therapiebestandteil betrachten. Viele psychiatrische Patienten haben Defizite in der Selbstversorgung und der persönlichen Hygiene; Beratung und unterstützende Maßnahmen sind Teil der Gesamtbehandlung. Ärzteversichert empfiehlt, für psychiatrische Praxen eine ausreichend dimensionierte Berufshaftpflicht zu wählen, die auch Vorfälle mit aggressiven Patienten und die daraus resultierenden Verletzungsrisiken für Personal abdeckt.

Typische Fehler bei Psychiater

Ein häufiger Fehler ist die unzureichende Desinfektion von EEG-Elektroden zwischen Patienten. EEG-Elektroden kommen direkt mit der Kopfhaut in Kontakt; eine fehlende Desinfektion kann Dermatophyten oder Kopfläuse übertragen. Ein weiterer Fehler betrifft den Hygieneplan: Psychiater in der Niederlassung vernachlässigen oft die Erstellung eines formalisierten Hygieneplans, da sie keine invasiven Eingriffe durchführen; dies entbindet jedoch nicht von der gesetzlichen Pflicht.

Fazit

Psychiater, die auch in ihrer hauptsächlich nicht-invasiven Tätigkeit einen aktualisierten Hygieneplan führen und Kontaktflächen regelmäßig desinfizieren, erfüllen ihre gesetzlichen Pflichten und schützen eine besonders vulnerable Patientengruppe. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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