Urologen führen Zystoskopien, Biopsien und endoskopische Eingriffe durch, die die sterile Umgebung der Harnblase und der Harnröhre unterbrechen. Harnwegsinfektionen nach urologischen Eingriffen sind die häufigsten Komplikationen und oft vermeidbar, wenn Hygienestandards konsequent eingehalten werden. Eine nosokomiale Harnwegsinfektion nach ambulanter Zystoskopie ist ein klassischer Haftungsfall.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zystoskope sind flexible oder starre Endoskope, die nach jedem Einsatz nach RKI-Standards aufbereitet werden müssen; flexible Zystoskope gelten als "kritische Medizinprodukte"
  • Steriles Gleitmittel und sterile Spüllösung sind für jede Zystoskopie zu verwenden; Mehrdosis-Gleitmitteltuben dürfen nicht von Patient zu Patient weitergegeben werden
  • Prostatastanzbiopsien erfordern perioperative Antibiotikaprophylaxe; ohne diese steigt das Sepsisrisiko auf 2 bis 5 Prozent

Hygienemanagement speziell für Urologen

Urologen, die flexible Zystoskopien durchführen, müssen ein validiertes Aufbereitungsverfahren für flexible Endoskope implementiert haben. Das flexible Zystoskop gilt als "kritisches Medizinprodukt B" und muss durch thermische oder chemische Desinfektion in einem automatisierten Endoskop-Reinigungs-Desinfektionsautomaten (RDA) aufbereitet werden. Jeder Aufbereitungszyklus muss dokumentiert werden, einschließlich Datum, Uhrzeit, Gerätekennzeichnung und verantwortlichem Mitarbeiter.

Für Prostatastanzbiopsien, die in Deutschland überwiegend transrektal durchgeführt werden, muss eine perioperative Antibiotikaprophylaxe verabreicht werden. Empfohlen wird ein Fluorchinolon (z.B. Ciprofloxacin) oder ein Cephalosporin der zweiten Generation. Praxen, die diese Prophylaxe nicht routinemäßig einsetzen oder dokumentieren, haben im Haftungsfall eine schlechte Ausgangsposition.

Worauf Urologen besonders achten sollten

Urologen sollten die steigende Resistenzrate von E. coli gegen Fluorchinolone im Blick behalten. In manchen Regionen ist die Resistenzrate bereits über 20 Prozent; eine lokale Resistenzstatistik aus dem Mikrobiologielabor kann helfen, die Prophylaxe anzupassen. Ärzteversichert empfiehlt, die Berufshaftpflicht für Urologen auf ausreichende Deckung für infektiöse Komplikationen nach endoskopischen Eingriffen zu überprüfen.

Typische Fehler bei Urologen

Ein häufiger Fehler ist die Wiederverwendung von Instillationsgel-Einmaltuben. Wenn die Geltube nicht vollständig aufgebraucht wurde, wird sie manchmal für den nächsten Patienten aufbewahrt; das ist verboten. Ein weiterer Fehler betrifft die Reinigung von urologischen Instrumenten in Handwaschbecken: Zystoskope und Instrumente müssen in einem dafür vorgesehenen Reinigungsraum aufbereitet werden, nicht im Patientenbad.

Fazit

Urologen, die Endoskopaufbereitung nach validierten Verfahren durchführen und Antibiotika-Prophylaxen konsequent dokumentieren, minimieren das Risiko von Harnwegsinfektionen und Sepsiskomplikationen nach Eingriffen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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