Zahnarztpraxen gehören zu den hygienisch anspruchsvollsten medizinischen Einrichtungen: Turbinen, Winkelstücke und Ultraschall-Scalinggeräte erzeugen Aerosole und Spritzer, die Erreger aus dem Patientenmund über große Distanzen verteilen. Gleichzeitig arbeiten Zahnärzte mit Bohrern, Skalpellen und Extraktionszangen in unmittelbarer Körpernähe und sind selbst besonders durch Stichverletzungen gefährdet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Turbinen und Winkelstücke sind "semikritische Medizinprodukte" und müssen nach jedem Patienten durch Thermodesinfektion in einem Reinigungs-Desinfektionsautomaten aufbereitet werden; ein einfaches Abwischen ist nicht ausreichend
  • Zahnärzte müssen bei der Behandlung Schutzbrille, Maske und Handschuhe tragen; bei Aerosol-produzierenden Eingriffen (Turbine, Ultraschall) ist FFP2-Maske empfohlen
  • Wasserführende Systeme der Behandlungseinheit müssen täglich gespült werden, um Biofilmbildung zu verhindern

Hygienemanagement speziell für Zahnärzte

Die Aufbereitung von zahnärztlichen Instrumenten ist das Kernstück des Hygienemanagements. Turbinen und Winkelstücke können wegen ihrer komplexen Innengeometrie nicht manuell ausreichend gereinigt werden; ein automatisierter Reinigungs-Desinfektionsautomat (RDA) mit thermischem Desinfektionsverfahren (93 Grad Celsius, Einwirkzeit 10 Minuten) ist erforderlich. Nach der Reinigung erfolgt die Sterilisation im Dampf-Sterilisator (Autoklav Klasse B), der tägliche Bowie-Dick-Tests und regelmäßige Chargenprotokolle erfordert.

Wasserführende Systeme der Dentaleinheit sind besonders anfällig für Biofilmbildung mit Legionella pneumophila und anderen Keimen. Die tägliche Vorlaufflusspülung (2 Minuten pro Einheit morgens) und regelmäßige Desinfektion der Wasserleitungen sind Pflichtmaßnahmen. Regelmäßige Wasserproben (halbjährlich empfohlen) geben Aufschluss über die Biofilmbelastung.

Worauf Zahnärzte besonders achten sollten

Zahnärzte sollten die Impfung gegen Hepatitis B regelmäßig auf ausreichenden Titer-Schutz überprüfen. Stichverletzungen mit zahnärztlichen Instrumenten (Bohrer, Skalpellklingen) sind häufig; ein ausreichender Anti-HBs-Titer von über 100 IE/l ist Schutz vor Hepatitis B-Infektion. Ärzteversichert empfiehlt, für Zahnarztpraxen eine umfassende Berufshaftpflicht abzuschließen, die Infektionskomplikationen nach zahnärztlichen Eingriffen und Behandlungskonsequenzen aus Hygienemängeln einschließt.

Typische Fehler bei Zahnärzte

Ein häufiger Fehler ist das Vergessen der Desinfektion von Abdrucklöffeln. Intraoraler Kontakt von Abdruckmaterialien und Löffeln bedeutet Kontamination mit Speichel und Blut; diese Materialien müssen vor dem Versand ins Labor desinfiziert werden. Ein weiterer Fehler betrifft die Aufbereitung von Zahnprothesen und kieferorthopädischen Geräten, die zur Reparatur eingesandt werden; auch diese müssen vorher desinfiziert und als "desinfiziert" an das Labor gekennzeichnet werden.

Fazit

Zahnärzte, die Turbinen und Winkelstücke thermisch aufbereiten, Wasserleitungen regelmäßig desinfizieren und vollständige PSA tragen, erfüllen die Anforderungen einer der hygienisch anspruchsvollsten Fachrichtungen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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