Kinderärzte haben ein spezifisches IGeL-Profil: Die Zahlungsbereitschaft der Eltern für die Gesundheit ihrer Kinder ist hoch, aber die IGeL-Leistungen müssen besonders transparent und evidenzbasiert kommuniziert werden. Fehlgeleitete IGeL-Empfehlungen in der Pädiatrie stoßen schnell auf Misstrauen; gut begründete Zusatzangebote werden von Eltern jedoch sehr geschätzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erweiterte Entwicklungsdiagnostik (Sprachentwicklungstest, Feinmotorik-Screening) über den GKV-Standard hinaus ist eine stark nachgefragte IGeL für 60 bis 100 EUR
  • Reiseimpfungen für Kinder (Typhus, Japanische Enzephalitis, Meningokokken ACWY) sind typische Selbstzahlerleistungen für Familien mit Fernreiseplänen
  • Allergietest (RAST oder Prick-Test) für Patienten ohne dringende Kassenindikation ist ein häufig angebotenes IGeL-Paket für 50 bis 100 EUR

IGeL-Leistungen speziell für Kinderärzte

Kinderärzte können IGeL besonders effektiv bei den Vorsorgeuntersuchungen positionieren. Wenn bei der U8 oder U9 sprachliche Auffälligkeiten beobachtet werden, können Kinderärzte einen erweiterten Sprachentwicklungstest (z.B. SETK 3-5) als Privatleistung für 50 bis 80 EUR anbieten. Dieser Test gibt präzisere Informationen als das Screening und hilft, bei Bedarf frühzeitig Sprachtherapie einzuleiten.

Reiseimpfungen sind ein attraktives IGeL-Feld, da Familien mit kleinen Kindern in tropische Länder reisen und die spezifischen Kinderimpfpläne komplex sind. Eine reisemedizinische Beratung für Kinder kostet 40 bis 70 EUR; Impfstoffe werden separat abgerechnet. Kinderärzte, die Reisemedizin als Praxisschwerpunkt entwickeln, können auch Impfzertifikate ausstellen und sind Anlaufstelle für Schul- und Vereinssporttauglichkeits-Untersuchungen.

Worauf Kinderärzte besonders achten sollten

Kinderärzte müssen bei IGeL für Kinder stets die Eltern als Auftraggeber einbinden und deren schriftliche Einwilligung einholen. Da es sich um minderjährige Patienten handelt, müssen beide Sorgeberechtigten grundsätzlich informiert sein; im Scheidungsfall kann fehlende Einwilligung eines Elternteils zu Beschwerden führen. Ärzteversichert empfiehlt, auch bei pädiatrischen IGeL die Berufshaftpflicht auf ausreichende Deckung zu überprüfen.

Typische Fehler bei Kinderärzte

Ein häufiger Fehler ist die Empfehlung von IGeL-Tests ohne ausreichende Evidenzbasis für das entsprechende Kindesalter. Nicht jeder Labortest, der für Erwachsene sinnvoll ist, hat für Kinder dieselbe Aussagekraft. Ein weiterer Fehler betrifft die Elternkommunikation: Wenn IGeL-Empfehlungen als "dringend" kommuniziert werden, obwohl sie optional sind, entsteht unnötiger Druck; eine wertschätzende, informative Kommunikation ist der bessere Weg.

Fazit

Kinderärzte, die ihre IGeL-Angebote evidenzbasiert und transparent kommunizieren, stärken die Eltern-Arzt-Beziehung und erzielen nachhaltige Zusatzerlöse. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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