Allgemeinmediziner in der Niederlassung stehen bei Erkrankung vor einem besonderen Problem: Im Gegensatz zu angestellten Ärzten entfällt das Einkommen nicht erst nach sechs Wochen, sondern die Praxis verursacht ab dem ersten Krankheitstag Kosten (Miete, Personal, Leasinggebühren), ohne Einnahmen zu generieren. Das Krankentagegeld ist für niedergelassene Hausärzte daher eine unverzichtbare Absicherung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Niedergelassene Allgemeinmediziner haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld aus der GKV; sie müssen sich privat über eine Krankentagegeldversicherung absichern.
  • Die Karenzzeit (Wartezeit bis zur ersten Auszahlung) sollte für Hausärzte so kurz wie möglich gewählt werden; empfohlen wird Karenz ab dem 1. oder 8. Krankheitstag.
  • Der Tagessatz sollte das Nettoeinkommen abzüglich der unvermeidbaren Praxiskosten abdecken; als Faustregel gilt: Tagessatz = Tagesnettogewinn plus Tagesfixkosten.

Krankentagegeld speziell für Allgemeinmediziner

Niedergelassene Hausärzte haben im Krankheitsfall kein Sicherheitsnetz aus einem Arbeitsverhältnis: Die Praxis läuft weiter, das Personal muss bezahlt werden, die Raummiete fällt an. Gleichzeitig brechen die Einnahmen ein, wenn Patienten nicht behandelt werden können oder ein teurer Vertretungsarzt eingesetzt werden muss. Ein typisches Szenario: Ein Allgemeinmediziner mit 8.000 EUR monatlichem Nettogewinn und 5.000 EUR monatlichen Fixkosten hat bei Erkrankung einen Tagesbedarf von ca. 430 EUR (Nettogewinn) plus 167 EUR (Fixkosten) = ca. 600 EUR täglich.

Dieses Beispiel zeigt, dass das Krankentagegeld deutlich höher sein muss als der reine Nettobetrag; die Fixkosten laufen weiter. Gute Krankentagegeld-Tarife für Allgemeinmediziner bieten Tagessätze bis zu 1.000 EUR und erlauben eine Anpassung ohne erneute Gesundheitsprüfung bei Einkommenssteigerung.

Worauf Allgemeinmediziner besonders achten sollten

Allgemeinmediziner sollten die Karenzzeit sorgfältig wählen: Eine Karenz von 42 Tagen (nach dem Ablauf der klassischen Entgeltfortzahlung) ist für Selbstständige ungeeignet. Ärzteversichert empfiehlt Hausärzten eine Karenz von 1 bis 14 Tagen, kombiniert mit einem ausreichend hohen Tagessatz. Außerdem sollte der Tarif eine Nachversicherungsgarantie enthalten, um den Tagessatz bei steigendem Praxisgewinn oder nach Niederlassung ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen zu können.

Typische Fehler bei Allgemeinmedizinern

Ein häufiger Fehler ist die Wahl einer zu langen Karenzzeit (42 oder 91 Tage), um die Prämie zu senken; in diesem Zeitraum fehlen die Einnahmen vollständig. Ein zweiter Fehler ist die Unterschätzung der Praxiskosten bei der Tagessatzberechnung; viele Allgemeinmediziner rechnen nur ihren Nettogewinn, nicht die weiterlaufenden Fixkosten ein. Ein dritter Fehler betrifft die fehlende Anpassung nach Praxiserweiterung oder Übernahme eines weiteren Kassenarzt-Sitzes.

Fazit

Das Krankentagegeld ist für Allgemeinmediziner in der Niederlassung eine ebenso wichtige Absicherung wie die BU-Versicherung; eine kurze Karenzzeit und ein ausreichend hoher Tagessatz, der auch die Praxiskosten abdeckt, sind entscheidend. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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