Psychiater erbringen fast ausschließlich Gesprächs- und Betreuungsleistungen; ihre Praxen haben im Vergleich zu anderen Fachärzten niedrige Fixkosten, da keine teuren Geräte erforderlich sind. Im Gegenzug ist ihre Tätigkeit extrem an ihre persönliche Präsenz und Arbeitsfähigkeit gebunden: Wenn der Psychiater erkrankt, gibt es keinen Ersatz für die geplanten Therapiegespräche. Gleichzeitig zeigt die Berufsgruppe selbst eine überdurchschnittliche Rate an Burnout und psychischen Erkrankungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Psychiater erbringen persönlich nicht delegierbare Gesprächs- und Therapieleistungen; bei Erkrankung entfällt das gesamte GKV- und GOÄ-Honorar für Gesprächstherapie sofort.
- Das eigene Erkrankungsrisiko für Psychiater ist hoch; die tägliche Arbeit mit schwer psychisch kranken Patienten führt zu sekundärem Trauma und Burnout.
- Die Praxisfixkosten sind niedrig, da keine Geräteinfrastruktur benötigt wird; der Tagessatz orientiert sich am reinen Nettogewinn.
Krankentagegeld speziell für Psychiater
Niedergelassene Psychiater erzielen durch die Kombination aus GKV-Honorar (psychiatrische Gesprächsleistungen) und GOÄ-Privatpatienten ein Nettoeinkommen von typischerweise 100.000 bis 160.000 EUR jährlich. Bei 11.000 EUR monatlichem Nettoeinkommen und sehr niedrigen Praxisfixkosten von 1.500 EUR (Miete, MFA, Software) ergibt sich ein Tagessatzbedarf von ca. 417 EUR.
Die besondere Situation des Psychiaters liegt darin, dass psychische Eigenerkrankungen und das eigene Fachgebiet übereinstimmen: Ein Psychiater, der an Burnout erkrankt, kann kaum gleichzeitig psychisch Kranke behandeln. Manche PKV-Krankentagegeld-Tarife begrenzen die Leistungsdauer bei psychischen Erkrankungen auf 12 oder 24 Monate; das ist für Psychiater vollständig inakzeptabel. Ein Burnout-bedingter Aufenthalt in einer Fachklinik und die anschließende ambulante Reha können mehr als 18 Monate dauern.
Worauf Psychiater besonders achten sollten
Psychiater sollten beim Tarifvergleich keine Kompromisse bei psychischen Erkrankungen eingehen: Jede zeitliche Begrenzung oder jeder Ausschluss von psychischen Erkrankungen ist für diese Berufsgruppe inakzeptabel. Ärzteversichert empfiehlt Psychiatern, ausschließlich Tarife ohne jegliche Einschränkung für psychische Erkrankungen zu wählen, auch wenn diese höhere Prämien kosten. Die Karenzzeit sollte kurz sein (maximal 14 Tage), da Psychiater keine hohen Rücklagen aus niedrigen Praxisfixkosten aufbauen können.
Typische Fehler bei Psychiatern
Ein häufiger Fehler ist die Wahl eines günstigen Tarifs mit zeitlicher Begrenzung bei psychischen Erkrankungen; kein anderer Arzt trägt in diesem Punkt ein höheres Risiko als der Psychiater selbst. Ein zweiter Fehler betrifft die fehlende Anpassung des Tagessatzes nach Aufnahme von mehr Privatpatienten (GOÄ-Liquidation); das Nettoeinkommen steigt, ohne dass die Police angepasst wird. Drittens unterschätzen viele Psychiater, dass auch Suchterkrankungen (häufig komorbid bei Burnout) im Tarif abgesichert sein müssen.
Fazit
Psychiater brauchen ein Krankentagegeld ohne jegliche Einschränkung für psychische Erkrankungen; dieser Punkt ist angesichts des Berufsbildes und des statistisch hohen Eigenerkrankungsrisikos absolut prioritär. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- GDV – Krankentagegeld und psychische Erkrankungen
- PKV-Verband – Leistungsausschlüsse und Tarife
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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