Orthopädische MVZ sind eine der häufigsten MVZ-Formen in Deutschland. Die Kombination aus konservativer Orthopädie, Chirurgie, Physiotherapie und Sportmedizin unter einem Dach bietet Patienten interdisziplinäre Versorgung und ermöglicht wirtschaftlich effiziente Betriebsstrukturen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Interdisziplinäre Versorgung als Wettbewerbsvorteil: Ein orthopädisches MVZ mit angestellten Chirurgen, Physio-Kooperation und MRT-Zugang bietet eine Versorgung, die eine Einzelpraxis nicht replizieren kann.
  • GmbH-Struktur für Haftungsschutz: MVZ müssen als juristische Person (GmbH oder gGmbH) geführt werden; die Haftungsbeschränkung der GmbH schützt die Gesellschafter.
  • Kassenzulassungen bündeln: In einem orthopädischen MVZ können mehrere angestellte Ärzte unter einer gemeinsamen Institutskennzeichnung abrechnen, was den Verwaltungsaufwand reduziert.

MVZ-Gründung speziell für Orthopäden

Ein orthopädisches MVZ mit drei Behandlern (zwei Orthopäden und ein Unfallchirurg) in einer Gemeinschaftspraxis-Struktur erzielt typischerweise einen Jahresumsatz von 800.000 bis 1.500.000 EUR. Die Gründungskosten für ein solches MVZ liegen bei 150.000 bis 350.000 EUR, einschließlich Einrichtung, Geräte (MRT-Miete oder Kauf, Röntgen), Praxissoftware und Gesellschaftsgründungskosten.

Die Gründung eines MVZ erfordert die Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Orthopädische MVZ-Gründungen sind möglich durch Übernahme einer bestehenden orthopädischen Praxis, durch Neugründung in einem unterversorgten Gebiet oder durch Klinikanbindung. Die häufigste Form ist die Übernahme einer Einzelpraxis und deren Umwandlung in ein MVZ.

Für die Praxisorganisation im MVZ ist ein strukturiertes Terminmanagement besonders wichtig: Orthopädische Praxen haben hohen Patientendurchlauf (80 bis 120 Patienten täglich bei drei Behandlern) und benötigen effiziente Abläufe für Anamnese, Diagnostik (Röntgen, Ultraschall), konservative Therapie und chirurgische Kurzeingriffe.

Worauf Orthopäden besonders achten sollten

Orthopäden sollten bei der MVZ-Gründung frühzeitig einen auf Medizinrecht spezialisierten Anwalt einschalten. Die Gesellschaftsvertragsgestaltung, die Anstellungsverträge für Ärzte und die KV-Zulassung des MVZ haben viele rechtliche Fallstricke; ein Fehler in der Strukturierung kann später zu erheblichen Nachbesserungskosten führen.

Ärzteversichert empfiehlt Orthopäden in MVZ-Strukturen, eine D&O-Versicherung (Directors and Officers) abzuschließen. Als Geschäftsführer einer MVZ-GmbH tragen die Gesellschafter persönliche Haftung für Leitungsentscheidungen; eine D&O-Police schützt vor Haftungsansprüchen der GmbH oder Dritter gegenüber der Geschäftsführung.

Typische Fehler bei Orthopäden

Ein häufiger Fehler ist die unterschätzte Belastung durch die Geschäftsführungsrolle. Orthopäden, die ein MVZ gründen, sind nicht mehr nur Ärzte, sondern auch Unternehmer mit Personalverantwortung, Buchhaltungsaufgaben und KV-Kommunikation. Wer diese Doppelrolle nicht einplant, riskiert Überlastung und sinkende Behandlungsqualität.

Ein weiterer Fehler ist das Fehlen einer klaren Exit-Strategie im Gesellschaftsvertrag. Wenn ein Gesellschafter aussteigen will oder muss, müssen Bewertungsregeln, Kaufpreisformeln und Übergangszeiten klar geregelt sein. Fehlende Regelungen führen zu langwierigen und teuren Auseinandersetzungen.

Fazit

Ein orthopädisches MVZ bietet erhebliche wirtschaftliche und medizinische Vorteile, erfordert aber von Beginn an solide rechtliche Strukturen, klare Governance-Regeln und eine konsequente unternehmerische Führung. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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