Sportmediziner, die ein MVZ gründen, kombinieren häufig kassenärztliche Grundversorgung mit einem breiten Spektrum an Selbstzahlerleistungen: Leistungsdiagnostik, Ernährungsberatung und Präventionsuntersuchungen lassen sich strukturell gut in ein MVZ integrieren und erhöhen die wirtschaftliche Stabilität gegenüber einer reinen Einzelpraxis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sportmedizinische MVZ verbinden GKV-Versorgung mit IGeL-Leistungen wie Spiroergometrie und Laktatstufentests, die außerhalb des EBM abgerechnet werden
  • Die GmbH-Struktur des MVZ ermöglicht die Aufnahme von Partnern aus Physiotherapie oder Sportwissenschaft als angestellte Mitarbeiter
  • Das Startkapital für ein sportmedizinisches MVZ liegt typischerweise zwischen 80.000 und 250.000 EUR, abhängig vom Geräteumfang

MVZ-Gründung speziell für Sportmediziner

Sportmedizinische MVZ haben eine besondere wirtschaftliche Logik: Die GKV-Zulassung liefert eine stabile Einnahmebasis, während Selbstzahlerleistungen wie Leistungsdiagnostik, Tauglichkeitsuntersuchungen für Vereine und Dopingkontrollen die Marge deutlich verbessern. Ein Spiroergometer für etwa 40.000 bis 70.000 EUR und ein Laufband-Ergometer für weitere 15.000 bis 25.000 EUR gehören zur Basisausstattung eines leistungsmedizinischen MVZ.

Für die Gründung benötigen Sportmediziner mindestens zwei Kassenarztsitze, die entweder durch eigene Zulassung oder durch Übernahme bestehender Sitze eingebracht werden. Die GmbH-Struktur erlaubt die Anstellung von Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern und Ernährungsberatern; deren Leistungen können im MVZ gebündelt und gemeinsam vermarktet werden. Die Kooperationsvereinbarungen mit Profisportvereinen oder Fitnessstudios, die als Zuweiser fungieren, sollten schriftlich fixiert und rechtlich geprüft sein.

Worauf Sportmediziner besonders achten sollten

Sportmediziner müssen bei der MVZ-Gründung die klare Trennung zwischen GKV-Leistungen und IGeL-Leistungen sicherstellen. Leistungsdiagnostik für Freizeitsportler ist grundsätzlich keine Kassenleistung und muss nach GOÄ oder als freie Vereinbarung abgerechnet werden. Ärzteversichert empfiehlt eine Betriebshaftpflichtversicherung für das MVZ als GmbH sowie individuelle Berufshaftpflichtversicherungen für alle im MVZ tätigen Ärzte, die Belastungstests und Sporteignungsuntersuchungen als gesondert versichertes Risiko einschließen. Eine Praxisausfallversicherung schützt bei Geräteausfällen, da ein defektes Spiroergometer das gesamte Leistungsdiagnostik-Programm zum Stillstand bringen kann.

Typische Fehler bei Sportmedizinern

Ein häufiger Fehler ist die Gründung eines MVZ ohne ausreichende GKV-Patientenbasis: Wenn das MVZ primär auf Vereinssportler und Selbstzahler ausgerichtet ist, fehlt in wirtschaftlich schwachen Phasen das stabile GKV-Fundament. Ein weiterer Fehler ist die fehlende vertragliche Absicherung gegenüber Kooperationspartnern: Wenn ein Verein, der als Hauptzuweiser fungiert, den Vertrag kündigt oder zu einem anderen Anbieter wechselt, bricht ein erheblicher Teil des Patientenstroms weg. Schließlich unterschätzen manche Sportmediziner die Anforderungen an Barrierefreiheit und Notfallausrüstung: Belastungsuntersuchungen können kardiale Ereignisse auslösen, weshalb ein Defibrillator und ein Notfallprotokoll im MVZ vorgehalten werden müssen.

Fazit

Ein sportmedizinisches MVZ bietet eine attraktive Kombination aus GKV-Grundversorgung und margenstarken Selbstzahlerleistungen, erfordert aber eine durchdachte Struktur, stabile Zuweiserbeziehungen und umfassende Absicherung. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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