Die Niederlassung als Kardiologe ist eine der aufwendigsten im ambulanten Facharztsystem: Hochwertige Diagnostikgeräte, qualifiziertes Assistenzpersonal und ein klares Profil zwischen Basiskardiologie und invasiver Spezialkardiologie machen die Gründungsplanung zu einem vielschichtigen Vorhaben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kardiologische Praxen ohne Herzkatheterlabor investieren typischerweise 150.000 bis 300.000 EUR in Diagnostikausstattung (Echo, Ergometrie, Langzeit-EKG, ggf. Stressecho).
  • Die Spezial-Zulassung nach § 116b SGB V (spezialfachärztliche Versorgung, z. B. KHK, Herzinsuffizienz) ermöglicht extrabudgetäre Vergütung und sollte von Beginn an angestrebt werden.
  • Die Berufshaftpflicht für Kardiologen ohne invasive Tätigkeit liegt bei 3.000 bis 5.000 EUR jährlich; für invasiv tätige Kardiologen deutlich höher.

Niederlassung speziell für Kardiologen

Kardiologen müssen bei der Praxisgründung entscheiden, ob sie als nicht-invasive Basiskardiologie oder als invasive kardiologische Praxis (mit Herzkatheterlabor) tätig sein möchten. Diese Entscheidung bestimmt Investitionsvolumen, Personalanforderungen und Haftungsprofil grundlegend. Eine nicht-invasive kardiologische Praxis mit Echo, Ergometrie, Schrittmachernachsorge und LZ-EKG erfordert Investitionen von 150.000 bis 300.000 EUR und ist mit 2 bis 3 Mitarbeitern betreibbar.

Die Niederlassung in einer Region mit kardiologischer Unterversorgung bietet wirtschaftlich günstige Ausgangsbedingungen: Weniger Wettbewerb, höhere Überweisungsraten von Hausärzten und die Möglichkeit, sofort eine stabile Patientenstruktur aufzubauen. Ballungsräume dagegen sind kardiologisch gut versorgt; hier ist eine klare Spezialisierung (Prävention, Herzinsuffizienz-Ambulanz, Rhythmologie) wichtig, um sich zu differenzieren.

Worauf Kardiologen besonders achten sollten

Die Qualitätssicherungs-Genehmigungen für kardiologische Diagnostik (Echokardiographie, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG) müssen vor der ersten Leistungserbringung vorliegen. Die Genehmigung erfolgt durch die zuständige KV nach Prüfung der Qualifikation und der technischen Ausstattung. Ärzteversichert empfiehlt, die Genehmigungsanforderungen frühzeitig mit der KV abzustimmen, da der Genehmigungsprozess 4 bis 8 Wochen dauern kann.

Die Absicherung mit einer ausreichenden Berufshaftpflicht sollte vor dem ersten Praxistag bestehen. Wer kurz vor der Eröffnung einen Tarif abschließt, muss prüfen, ob Vorleistungen (z. B. Baumaßnahmen, erste Patientenkontakte) bereits unter dem Versicherungsschutz stehen.

Typische Fehler bei Kardiologen

Ein häufiger Fehler ist die Planung ohne Anlaufphase: Viele Kardiologen projizieren einen vollen Praxisbetrieb ab Monat 3 und planen zu wenig Liquiditätspuffer für die ersten 12 bis 18 Monate ein, in denen der Patientenstamm noch aufgebaut wird. Ein zweiter Fehler betrifft die fehlende Kooperation mit Hausärzten: Die Überweisungsstruktur in der Kardiologie ist stark hausarztabhängig; wer keine Beziehungen zu Allgemeinmedizinern und Internisten in der Region aufbaut, kämpft dauerhaft um Patientenzulauf.

Fazit

Die kardiologische Niederlassung erfordert eine klare Positionierungsstrategie, ausreichendes Investitionskapital und ein aktives Überweisernetzwerk. Wer diese drei Bausteine solide aufbaut, schafft eine wirtschaftlich stabile Praxis. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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